Wirtschaft : Welteke für radikale Bundesbank-Reform

FRANKFURT(MAIN) (AP).Der designierte neue Präsident der Bundesbank, Ernst Welteke, hat sich unmißverständlich für eine Strukturreform der Institution ausgesprochen.Die deutsche Notenbank sei dort reformbedürftig, wo es Ineffizienz und Doppelarbeit gebe, sagte Welteke am Freitag in Frankfurt (Main).So müsse über Gliederung und Aufgabenteilung nachgedacht werden.Die Organisationsprinzipien der Bundesbank orientierten sich immer noch an den Ländergrenzen, die Aufgaben aber nicht mehr.

Welteke betonte, daß von einer Verschlankung der Notenbank auch nicht die Spitze ausgenommen werden könne.Die Struktur aus Direktorium, den Vorständen der neun Landeszentralbanken und dem Zentralbankrat mit insgesamt 32 Führungskräften müsse überarbeitet werden, sagte der SPD-Mann.

Die Bundesbank müsse sich sowohl im Rollenverständnis als auch im strukturellen Zuschnitt darauf einstellen, daß sie mit dem Beginn der Währungsunion die geldpolitische Vormachtstellung in Europa verloren habe.Während früher allein die geldpolitische Zuständigkeit die Organisationsstruktur der Notenbank geprägt habe, müsse die Bundesbank heute Kundenorientierung und Wirtschaftlichkeit stärker berücksichtigen.

Als neuer Präsident der Bundesbank setzt Welteke nach eigenen Worten in der Geldpolitik auf Kontinuität.Alle Mitglieder im Rat der Europäischen Zentralbank wollten die Preisstabilität gewährleisten.Welteke soll vom 1.September an Nachfolger von Hans Tietmeyer an der Spitze der Deutschen Bundesbank werden.

Unterdessen wies der DGB die Kritik im jüngsten Bundesbankbericht an der aktuellen Tarifpolitik als unerträglich und in der Sache unbegründet zurück.DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer verwies am Freitag in Düsseldorf darauf, daß nach bisherigem Stand der durchschnittliche Anstieg der Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit je Stunde 1999 bei 3,1 Prozent liegen dürfte.Diese Steigerung bleibe damit noch unter dem für die mittelfristige Lohnentwicklung maßgeblichen Orientierungsrahmen aus Produktivitätssteigerung ( plus 2,5 Prozent) und der von der Europäischen Zentralbank tolerierten Preissteigerungsrate von insgesamt vier Prozent.

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