Wirtschaft : Weltgrößte Pharmafusion geplatzt

Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham uneins / Machtkampf der Top-Manager LONDON (rtr/AFP).Die geplante Fusion der britischen Unternehmen Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham zum größten Pharmakonzern der Welt ist gescheitert.Beide Firmen gaben überraschend den Abbruch der Fusionsverhandlungen bekannt.SmithKline Beecham warf Glaxo in ungewohnt scharfer Form vor, sich nicht an bestehende Vereinbarungen über die Führung des gemeinsamen Konzerns gehalten zu haben.Branchenexperten sahen in einem Machtkampf der Top-Manager den Hauptgrund für das Scheitern der Megafusion.Die Kurse der beiden Firmen brachen an der Londoner Börse ein. Beide Unternehmen hatten am 30.Januar angekündigt, sich zum größten Pharmakonzern der Welt zusammenschließen zu wollen.Mit einem Börsenwert von rund 170 Mrd.Dollar (rund 308 Mrd.DM) wäre das Unternehmen insgesamt zum zweitgrößten Konzern hinter der US-Firma General Electric aufgestiegen.SmithKline hatte die Fusionsverhandlungen mit dem US-Konzern American Home Products (AHP) abgebrochen, um in die Verhandlungen mit Glaxo einsteigen zu können.Die Nummer zwei, Glaxo, und die Nummer neun der internationalen Pharmabranche, SmithKline, wollten fusionieren, um vor allem in den Bereichen Forschung und Entwicklung Kosten zu sparen.Branchenexperten schätzten die Sparmöglichkeiten auf jährlich rund 1,5 Mrd.Dollar (2,7 Mrd.DM).Glaxo ist insbesondere mit seinem Aids-Medikament AZT und einem Mittel gegen Magengeschwüre auf dem Pharmamarkt erfolgreich.SmithKline hat neben verschreibungspflichtigen Medikamenten auch eine Reihe freiverkäuflicher Produkte von Nikotinpflastern bis zu Vitaminen und Zahnpasta im Programm. Dem Abbruch der Fusion vorausgegangen war am Wochenende ein Verhandlungsmarathon, in dem es jedoch nicht gelungen war, die strittigen Fragen auszuräumen.Streitigkeiten über die Aufteilung der Führungsposten in der fusionierten Gesellschaft galten als Hauptursache für das Scheitern.Die beiden Pharmakonzerne hatten sich anfangs darauf verständigt, daß Glaxo drei Sitze im Direktorium und SmithKline zwei Sitze besetzen dürfe, was auch der Aufteilung des kombinierten Aktienkapitals im Verhältnis 60 zu 40 entsprochen hätte. "Glaxo wollte nicht mehr auf Basis unserer Vereinbarung weiterverhandeln", erklärte SmithKline.Das Verhalten Glaxos habe das Verhandlungsklima vergiftet.Die Differenzen seien unüberbrückbar.Eine Konzernsprecherin sagte, SmithKline plane gegenwärtig nicht, die Übernahmegespräche mit AHP wieder aufzunehmen.Auch Glaxo teilte mit, nach dem gescheiterten Zusammenschluß suche man nicht aktiv nach einem neuen Fusionspartner. Das Scheitern der Verhandlungen löste am Dienstag einen Kurssturz in London aus.Glaxo brachen in den ersten Handelsminuten um 15,4 Prozent ein, SmithKline um zwölf Prozent.Die Kurse erholten sich anschließend etwas.Anfang des Monats nach Bekanntgabe ihrer Fusionspläne hatten die beiden Pharmawerte massiv zugelegt.Damals waren die Kurse an nur einem Tag um 20 beziehungsweise 8 Prozent gestiegen. CHRONOLOGIEWochenlang hatten die beiden britischen Konzerne SmithKline Beecham und Glaxo Wellcome miteinander verhandelt.Dabei hatte diese mögliche Konzernehe in der gesamten internationalen Pharmabranche Fusionspläne aufkeimen lassen.Nachfolgend der zeitliche Ablauf 20.Januar.SmithKline kündigt an, mit American Home Products (AHP) über eine Fusion zu verhandeln.Es wäre ein Pharmakonzern mit einem Börsenwert von rund 180 Mrd.DM entstanden. 26.Januar. Der Chef von Glaxo Wellcome, Richard Sykes, fliegt nach New York, um die 1996 gescheiterten Fusionspläne mit SmithKline wiederzubeleben. 28.Januar. Nach zwei Verhandlungstagen zwischen Sykes und SmithKline-Chef Jan Leschly stehen die Randdaten der Fusion fest: Aufteilung des Aktienkapitals im Verhältnis 60 zu 40, Glaxo drei Sitze und SmithKline zwei Sitze im Direktorium der fusionierten Gesellschaft. 30.Januar.Leschly informiert offiziell über das Ende der Fusionsgespräche mit AHP und kündigt zugleich den Beginn der Verhandlungen mit Glaxo an. 2.Februar.Der erste Handelstag nach Bekanntgabe der Fusionspläne.Der Börsenwert der beiden britischen Konzerne klettert um bis zu 60 Mrd.DM.Spekulationen um weitere Fusionen in der Branchen beginnen. 17.Februar. SmithKline legt Bilanzzahlen für 1997 vor: Anstieg des Gewinns vor Steuern um sieben Prozent.Leschly bezeichnet die Fusion als "zwingend". 19.Februar.Glaxo präsentiert Bilanzzahlen für 1997 vor: Gewinnrückgang um 9 Prozent.Skyes erwähnt die Fusion mit keinem Wort. 20.Februar.Glaxo kann laut SmithKline die zuvor vereinbarte Aufteilung der Managementrollen nicht akzeptieren.Es folgen drei Tage intensiver Verhandlungen. 23.Februar. Beide Seiten geben den Abbruch der Verhandlungen bekannt.

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