Wirtschaft : Weltgrößte Solarfabrik soll nach Berlin

US-Firma plant Produktion in Adlershof / Zu den Kapitalgebern gehören die Gründer von Google

Anselm Waldermann

Berlin - Das US-amerikanische Unternehmen Nanosolar will in Berlin die weltweit größte Fabrik für Solarmodule errichten. Das sagte der Europa-Chef des Unternehmens, Erik Oldekop, dem Tagesspiegel. Geplant sei eine Produktion von rund 400 Megawatt (MW). Zum Vergleich: Der weltweite Marktführer Sharp hat im letzten Jahr Solarmodule mit einer Leistung von 320 MW hergestellt. Die Wirtschaftsförderung Berlin Partner wollte die Investitionspläne offiziell nicht bestätigen. „Wir haben aber ein sehr gutes Gefühl“, hieß es. „Das scheint ein wirklich tolles Projekt zu sein.“

Nanosolar hat seinen Sitz in Palo Alto, Kalifornien. Am Mittwoch hatte das Unternehmen bekannt gegeben, bei verschiedenen Kapitalgebern insgesamt 100 Millionen Dollar eingesammelt zu haben, die in den Bau von Solarfabriken fließen sollen. Zu den Geldgebern gehören unter anderem die Gründer des Internetkonzerns Google, Larry Page und Sergey Brin. Auch die Stanford-Universität und der Schweizer Rückversicherer Swiss Re sind an dem Projekt finanziell beteiligt. Nanosolar wird von dem gebürtigen Münchner Martin Roscheisen geleitet. Im Jahr 2003 wurde er vom Magazin Fortune zu einem der zehn besten Unternehmer unter 40 Jahren gekürt. „Wir haben den Eindruck, dass das eine absolut seriöse Sache ist“, heißt es bei Berlin Partner.

Nach Informationen des Tagesspiegels soll die Solarfabrik in der Nähe des Wissenschaftsstandorts Adlershof entstehen. „Zunächst beginnen wir mit 50 Mitarbeitern“, sagte Oldekop von Nanosolar. „In der Tendenz soll die Zahl der Beschäftigten aber deutlich über 100 steigen.“ Nanosolar sei bereits auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern im Raum Berlin, im Sommer 2007 soll es losgehen.

Die eigentliche Wertschöpfung findet allerdings in den USA statt. So sollen in Berlin lediglich die in Kalifornien gefertigten Solarzellen zu Modulen zusammengeschraubt werden. Von den insgesamt zur Verfügung stehenden 100 Millionen Dollar sollen deshalb maximal 20 Millionen in Berlin investiert werden, der Rest bleibt in den USA.

Die bisherige Produktionsmenge von Nanosolar ist noch bescheiden. In einem Pilotprojekt fertigt das Unternehmen Solarzellen für weniger als zehn MW. Nachdem die Finanzierung steht, soll nun aber die Massenfertigung beginnen. Dabei hat sich Nanosolar äußerst ambitionierte Ziele gesetzt: „Wir wollen Weltmarktführer werden“, sagte Oldekop. Innerhalb von drei Jahren soll die Solarzellenproduktion auf 430 MW hochschnellen, wobei der Großteil davon in Berlin weiterverarbeitet werden soll. Der derzeitige Weltmarktführer Sharp kommt bei der Produktion von Zellen auf 427 MW. Dass in der Solarindustrie auch ehrgeizige Geschäftspläne wahr werden können, zeigt das Beispiel Q-Cells: Das sachsen-anhaltinische Unternehmen ging erst vor fünf Jahren an den Start – und ist heute weltweit die Nummer zwei (siehe Grafik).

Die Zuversicht bei Nanosolar hat aber auch einen handfesten Grund: Denn nach der ersten Generation von Siliziumzellen und der zweiten Generation von Dünnschichtzellen hat das Unternehmen ein komplett neues Herstellungsverfahren entwickelt und damit die dritte Generation von Solarzellen eingeleitet. So arbeitet Nanosolar nicht mit Vakuum-, sondern mit Druck-Prozessen. „Die Produktion ist damit fünfmal günstiger als herkömmlich“, erklärt Oldekop.

„Die Technik hat tatsächlich die höchsten Wirkungsgrade“, sagt auch Michael Schmela von der Branchenzeitung Photon International. Außerdem müsse man anerkennen, dass Nanosolar „hochkarätige Kapitalgeber“ gefunden habe. Nur den Zeitplan hält er für unrealistisch: „Alles dauert länger als man glaubt.“

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