Welthandel : Chinas Aufstieg hilft der Post

Seine Strategie geht auf: Post-Chef Klaus Zumwinkel beweist mit der Vision, seinen Konzern durch milliardenschwere Zukäufe zu einem globalen Logistikkonzern auszubauen, einen guten Riecher. Der Gewinn steigt – das Geschäft mit China floriert.

Bernd Hops

Berlin Die Geschäfte der Deutschen Post laufen gut. Im wohl letzten Jahr vor dem Ende des Briefmonopols in Deutschland verzeichnet der Konzern einen kräftigen Anstieg bei Umsatz und Gewinn. Konzernchef Klaus Zumwinkel hob bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Freitag in Bonn vor allem die Geschäftssparten Logistik und Express hervor. Er rechne auch für das Gesamtjahr mit einem positiven Geschäftsverlauf, sagte Zumwinkel.

Trotzdem warnte er vor Wettbewerbsverzerrungen und forderte, die Branche in das Entsendegesetz aufzunehmen. Ein Mindestlohn für Briefdienstleister in Deutschland sei notwendig, sagte der Post-Chef mit Blick auf private Konkurrenten, die ihre Mitarbeiter häufig deutlich schlechter bezahlen als der Konzern. Etwa 32.000 Arbeitsplätze seien gefährdet, sagte Zumwinkel. Er kritisierte auch, dass die Liberalisierung in der Europäischen Union sich immer weiter verzögere. Hier stehe man vor einem Scherbenhaufen, sagte der Post-Chef.

Vor allem im zweiten Quartal war die Entwicklung für den Gesamtkonzern allerdings positiv. Der Gewinn stieg nach Unternehmensangaben um gut 13 Prozent auf 285 Millionen Euro. Die Post hat es geschafft, effizienter und profitabler zu arbeiten, denn der Umsatz legte im gleichen Zeitraum nur um 6,5 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro zu. Das Gesamtplus für das erste Halbjahr ist niedriger. Beim Umsatz sind es 5,4 Prozent auf fast 31 Milliarden Euro, Konzerngewinn: 7,1 Prozent auf 784 Millionen Euro. Der Grund liegt im relativ schwachen Jahresauftakt.

Dem Konzern kommt jetzt die internationale Expansion zugute. Zumwinkel hat mit milliardenschweren Zukäufen einen globalen Logistikkonzern aufgebaut, weil der bisher wichtigste Ertragsbringer – das Briefgeschäft in Deutschland – immer stärker für den Wettbewerb geöffnet wird. Die Regierung will im Januar 2008 auch das letzte Monopol, nämlich auf Briefsendungen bis 50 Gramm, abschaffen. Das Geschäft, das die Post bisher im Inland an Konkurrenten verloren hat, konnte sie nach eigenen Angaben im Ausland „mehr als ausgleichen“.

Allerdings nimmt das Gewicht des Briefbereichs innerhalb des Konzerns mittlerweile deutlich ab. Bisher hatten große Investoren oft moniert, dass die Zukäufe in der Logistik und bei Expresssendungen – hier vor allem DHL – verhältnismäßig wenig Gewinn abwerfen. Doch besonders bei dem schwierigen USA-Geschäft, das wesentlich länger Verluste eingebracht hat als geplant, kommt die Post nun offenbar weiter und profitiert außerdem von dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas.

Im ersten Halbjahr 2007 hatte der Briefbereich noch einen Anteil von gut 55 Prozent am Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit), im Vorjahreszeitraum lag die Quote fast zehn Prozentpunkte höher. Dagegen kam der Bereich Express auf 9,4 Prozent – nach 1,2 Prozent im ersten Halbjahr 2006. Und die Logistikgeschäfte liefern der Post inzwischen gut 24 Prozent ihres Ergebnisses, eine Verbesserung um 3,4 Prozentpunkte.

Die Börse reagierte mit einen Kursplus auf die Zahlen der Post. Zum Handelsschluss verteuerte sich die Aktie um 0,99 Prozent auf 21,36 Euro und war damit nach Volkswagen der zweitstärkste Wert unter den Dax-Titeln. 

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