Welthandel : Europa bremst die Welt

Der grenzüberschreitende Handel wächst nur moderat, Deutschland und afrikanische Länder schlagen sich gut.

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Weniger Verkehr. Der weltweite Güterumschlag, im Bild der Hamburger Hafen, steigt in diesem Jahr voraussichtlich um 3,3 Prozent und nicht, wie ursprünglich von der Welthandelsorganisation erwartet, um 4,5 Prozent. Foto: Reuters Foto: REUTERS
Weniger Verkehr. Der weltweite Güterumschlag, im Bild der Hamburger Hafen, steigt in diesem Jahr voraussichtlich um 3,3 Prozent...Foto: REUTERS

Die Globalisierung verliert an Fahrt. Im vergangenen Jahr konnten die Länder den grenzüberschreitenden Handel mit Gütern nur noch um zwei Prozent ausweiten. Im Jahr 2011 hatte das Plus noch 5,2 Prozent betragen. Das gab die Welthandelsorganisation (WTO) am Mittwoch in Genf bekannt. Im laufenden Jahr erwarten die Experten ein Zuwachs um 3,3 Prozent erwartet. Damit korrigierte die Organisation die bisherige Prognose von 4,5 Prozent. WTO-Generaldirektor Pascal Lamy kommentierte die geringe Steigerung des internationalen Warenaustausches im vergangenen Jahr als „ziemlich ernüchternd“. Die Ursachen seien „das langsame wirtschaftliche Wachstum in den Industrieländern und die Unsicherheiten über die Zukunft des Euro“. 2010 war der globale Handel mit Maschinen, Autos, Kleidern, Rohstoffen und anderen Produkten noch um 14 Prozent gestiegen.

Der gesamte Wert der Güter-Ausfuhren betrug 2012 rund 17 850 Milliarden Dollar. Während die reichen Staaten 2012 ihre Ausfuhren nur um ein Prozent ausweiten konnten, schafften Entwicklungsländer ein Plus ihrer Lieferungen in andere Länder um 3,3 Prozent. Exportweltmeister blieb 2012 China, das sich selbst weiter als „Entwicklungsland“ einstuft. Es hatte Deutschland im Jahr 2009 als erfolgreichstes Ausfuhrland abgelöst und verteidigt seine Stellung seitdem.

Die Chinesen führten 2012 Güter im Wert von mehr als 2000 Milliarden Dollar aus. Die WTO geht davon aus, dass China seinen Spitzenplatz auch in den kommenden Jahren verteidigen wird. Die schwache Nachfrage in Europa dürfte aber auch den chinesischen Firmen zu schaffen machen.

Auf dem zweiten Rang der Topexporteure folgten 2012 die USA mit einem Ausfuhrwert von mehr als 1500 Milliarden Dollar. Deutschland sicherte sich den dritten Rang mit ausgeführten Gütern im Wert von über 1400 Milliarden Dollar. Die deutschen Firmen trumpften 2012 allerdings nicht mehr so stark auf wie im Jahr 2011. Der Wert der Ausfuhren sank im Jahresvergleich um fünf Prozent. Auf den Plätzen vier bis neun folgen Japan, die Niederlande, Frankreich, Südkorea, Russland und Italien.

Die deutschen Exporteure werden trotz der Krise ihren Anteil am Weltmarkt in diesem Jahr voraussichtlich ausbauen. „Wir rechnen mit einem Anstieg von vier Prozent“, sagte der Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. „Unsere Exporte wachsen damit überdurchschnittlich.“ Die Unternehmen profitierten von der Nachfrage in großen Schwellenländern und in den USA. „Dort sind wir besser aufgestellt als viele Konkurrenten“, sagte Neugart. Auch Lamy meinte, die deutsche Wirtschaft sei „im Vergleich relativ widerstandsfähig“.

Von allen Regionen erzielte 2012 Afrika laut WTO das größte Wachstum bei den Ausfuhren. Der Kontinent steigerte seine Exporte um rund fünf Prozent auf knapp 630 Milliarden Dollar. Die Länder Afrikas liefern in erster Linie Öl und andere Rohstoffe wie Diamanten, Gold und Metalle. Der Anteil der Exporte Afrikas an allen Ausfuhren blieb aber auch 2012 mit vier Prozent eher gering.

Die größten Zuwächse im Welthandel erwartet Lamy außerhalb Europas. „90 Prozent des Zuwachses bei der Nachfrage nach europäischen Waren und Dienstleistungen werden dabei in den nächsten Jahren von Volkswirtschaften außerhalb Europas kommen“, sagte der WTO-Chef. „Damit ist klar, wohin sich die Europäer wenden müssen.“

Er warnte vor eine Abschottung der Märkte. Ein „selbstzerstörerischer Rückfall in den ökonomischen Nationalismus“ müsse verhindert werden. Lamy warb für einen Abschluss der Welthandelsrunde, um protektionistischen Tendenzen zu begegnen. Die WTO-Mitglieder feilschen seit 2001 über einen Abbau der Zölle, Kontingente und Subventionen. Die Verhandlungen der so genannten Doha- Runde stecken jedoch seit Jahren fest: Die großen Handelsblöcke USA und EU sowie China, Indien und Brasilien sind nicht zu Zugeständnissen bereit. mit rtr/dpa

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