Wirtschaft : Welthandel: Euroschwäche beflügelt die deutschen Exporte

Beflügelt von der Schwäche des Euro kann die deutsche Exportwirtschaft 2000 neue Rekorde aufstellen. Schon nach den ersten Monaten ist sicher, dass die Bundesrepublik in diesem Jahr ihre Ausfuhren erstmals über die Schwelle von einer Billion Mark hieven kann. 1999 erreichte der Exportwert 992 Milliarden Mark. Viele Prognosen gehen für 2000 bereits von einem realen Plus in der Größenordnung von mindestens zehn Prozent aus. Da die Weltwirtschaft ein geringeres Wachstum aufweisen wird, bedeutet dies faktisch eine Ausweitung des Anteils am Weltmarkt.

Mehrere Faktoren beeinflussen derzeit das günstige Exportklima. Neben der dynamischen Entwicklung des Welthandels profitiert die deutsche Industrie insbesondere von der Erholung in Lateinamerika und der Rückkehr der südostasiatischen Länder zu hohen Wachstumsraten. Der deutlich gestiegene Ölpreis versetzt die Ölländer zudem in die Lage, ihre Importe auszuweiten. Schließlich hinken die Lohnerhöhungen hier zu Lande den deutlichen Produktivitätssteigerungen in den wichtigsten Branchen hinterher. Dies bringt Kostenvorteile gegenüber der ausländischen Konkurrenz.

Insgesamt konnten die Ausfuhren im Zeitraum Januar bis April 2000 nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden um 17,7 Prozent auf 363,6 Milliarden Mark in die Höhe geschraubt werden. Knapp die Hälfte der Produkte "Made in Germany" entfällt auf die Sparten Autoindustrie, Maschinenbau und Chemie. Zuwachsraten von durchweg über 20 Prozent konnten die Exporteure nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in den USA, Japan, China, und Südostasien erzielen. Nach Russland - dem wichtigsten deutschen Öllieferanten - zogen die Ausfuhren nach schweren Einbrüchen in den vergangenen Jahren um 28 Prozent an. Das Volumen ist mit 3,3 Milliarden Mark oder 0,9 Prozent der gesamten Exporte aber noch immer recht gering. Wichtigstes Abnehmerland ist mit einem Anteil von 11,7 Prozent Frankreich. Mittlerweile gehen über 45 Prozent der Lieferungen in die Länder des Euro-Gebietes.

RWI: drei Prozent Wachstum

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet für dieses Jahr mit dem höchsten Wachstum in Deutschland seit der Vereinigung. Das Bruttoinlandsprodukt werde um drei Prozent wachsen. 2001 nehme die konjunkturelle Dynamik mit 3,2 Prozent sogar noch zu, schreibt das Essener Institut in seinem aktuellen Konjunkturbericht. Verglichen zum Jahresanfang seien die konjunkturellen Rahmenbedingungen für 2000 und 2001 erneut positiver. Spürbar werde sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessern.Durch die geplante erste Stufe der Steuerreform würde das Bruttoinlandsprodukt 2001 um einen halben Prozentpunkt höher ausfallen. Insbesondere der Konsum dürfte von der Steuerreform deutliche Impulse erhalten.

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