Wirtschaft : Weltkartellwächter sind überflüssig

KATHARINA VOSS

Dieter Wolf will eine Weltkartellbehörde.Die soll, so verlangt der Chef des deutschen Kartellamtes, dafür sorgen, daß weltweite Firmenzusammenschlüsse nicht übermächtig werden.Zu groß wäre die Gefahr, daß die neuen Oligopole durch Preisabsprachen den Volkswirtschaften Schaden zufügen.Zwar sagt auch Wolf, daß die Megafusionen der letzten Zeit dem Wettbewerb eher genutzt als geschadet haben.Doch müsse man vorbauen.Das Fusionsfieber breite sich weiter aus, Absprachen der nationalen Behörden würden demnächst für eine wirksame Kontrolle nicht mehr ausreichen.

Nun meinen Behördenchefs immer, daß nur Behörden anständig kontrollieren können.Das stimmt aber im Fall der Wettbewerbskontrolle nur bedingt.Denn erstens hat außer den Europäern kaum jemand Interesse an einem Weltkartellamt.Und zweitens reichen die bestehenden Wettbewerbsregeln in der Tat völlig aus, um eine effektive Wettbewerbkontrolle weltweit zu betreiben.Die enge Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA hat dazu geführt, daß Fusionen in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt nach ähnlichen Kriterien geprüft werden.

Zusammen kontrollieren Europäer und Amerikaner schon jetzt Fusionen, die immerhin zwei Drittel des Welthandelsvolumens betreffen.Das fehlende Drittel betrifft die asiatischen Märkte, vor allem Japan.Mittelbar sind aber auch Asiens Unternehmen längst in die euro-amerikanische Wettbewerbskontrolle eingebunden: Denn Fusionen, die nur Asien betreffen, werden immer seltener.In dem Moment aber, in dem einer der Partner aus Europa oder den USA kommt, oder aber die Märkte außerhalb Asiens betroffen sind, greifen auch die Normen der westlichen Kartellbehörden wieder.Für ein neues Amt gibt es keinen Bedarf - auch wenn die Behördenchefs das oft anders sehen.

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