Wirtschaft : Weltoffenheit zahlt sich für die Verbraucher aus

HENRIK MORTSIEFER

Forschungsinstitut Prognos wirft einen Blick auf das Konsum- und Sparverhalten im Jahr 2010VON HENRIK MORTSIEFER

BERLIN.Werden die Deutschen im Jahr 2010 wählerischer sein, qualitätsbewußter konsumieren und beim Sparen stärker auf den Ertrag ihrer Geldanlagen achten? Oder werden Preisbewußtsein und Einschränkung großgeschrieben, weil viele Haushalte ­ aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Altersarmut ­ auf jede Mark (jeden Euro) achten müssen? Einen Blick in die Zukunft des deutschen Konsum- und Sparverhaltens hat die Prognos AG geworfen und zwei Szenarien der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gezeichnet."Innovative Veränderung" und "Defensive Anpassung" überschreibt Hans J.Barth, Autor der Prognos-Studie, die beiden Zukunftsbilder."Innovativ" meint dabei folgendes: der Welthandel, an dem sowohl die nachrückenden Schwellenländer Asiens als auch Osteuropa zunehmend partizipieren, entwickelt sich dynamisch, Unternehmer und Politiker in Deutschland fördern tatkräftig innovative Ideen, Verfahren und Produkte, und die Bevölkerung insgesamt ist neuen Techniken, der internationalen Verflechtung der Märkte und dem Strukturwandel aufgeschlossen.Zudem werden Einwanderer besser integriert.Prognos rechnet in einem sich innovativ gewandelten Deutschland im Jahr 2010 mit einem Ausländeranteil von rund 14 Prozent (1995 lag die Quote bei neun Prozent). Weltoffenheit zahlt sich Prognos zufolge aus: So wird im Szenario "Innovative Veränderung" das deutsche Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2010 um gut die Hälfte höher sein als 1995.Die Zahl der Haushalte wird um etwa 800 000 wachsen, vor allem weil immer mehr Menschen in Ein- oder Zwei-Personenhaushalten leben.Der Durchschnittshaushalt wird nach Prognos-Schätzung über ein Nettoeinkommen von 141 000 DM verfügen, real rund 25 000 DM mehr als 1995."Die Einkommensunterschiede", so Prognos, "werden dabei größer sein als heute." Informationsüberflutung und wachsende Produktvielfalt werden die Qual der Wahl der Konsumenten verschärfen."Vertrauen wird damit aus Sicht der Anbieter zum Schlüsselwort für die Kundenbindung", beschreibt Prognos die Konsumwelt von morgen.Qualität und Umweltverträglichkeit der Produkte rücken immer stärker ins Blickfeld der Konsumenten.Und: Kaufen und Konsumieren haben Erlebnis-Charakter, das Ambiente muß stimmen ­ ob beim Tele-Shopping oder außer Haus.Zielgruppe für neue Formen des Marketing sind im Jahr 2010 vor allem Jugendliche, die neue Techniken akzeptieren und anwenden.Kaufkräftig präsentieren sich aber auch die "jungen Alten", Personen also, die heute "im Zenit ihres Berufslebens stehen" und ihr Alterseinkommen zusammen mit privat Gespartem und Ererbtem im Ruhestand genießen. Eine steigende Zahl von Erbschaften wird das Konsum- und Sparverhalten künftig beeinflussen.Prognos nimmt im "Innovations"-Szenario an, das Geldvermögen, über das Ruheständler heute verfügen, wachse jährlich um 7,1 Prozent.Dies entspricht im Jahr 2010 einer Erbmasse von 220 Mrd.DM ­ allein an Geldvermögen.Hinzu kommen noch einmal rund 250 Mrd.DM aus vererbtem Immobilienvermögen.Prognos geht davon aus, daß ein größerer Teil dieses Volumens in der Wohnungswirtschaft angelegt wird.Etwa ein Viertel werde den Banken (1995: 34 Prozent) anvertraut.Beliebter werden auch Bauspareinlagen und Anlagen bei Versicherungen sowie in Aktien."Ein Volk von Aktionären werden die Deutschen aber damit nach wie vor nicht", glauben die Zukunftsforscher.Insgesamt würden die Sparer vermehrt zu längerfristigen, höherverzinslichen Anlagen greifen. Ob die Voraussage die Verhältnisse im Jahr 2010 trifft, so das Fazit von Prognos, hänge entscheidend davon ab, "wie aufgeschlossen alle Beteiligten notwendige Anpassungen in Angriff nehmen".Je eher die Verteidigung von Besitzständen, die Abschottung nach außen und die Sorge vor Wohlstandseinbußen aufgegeben würde, desto mehr könne im Jahr 2010 gespart und konsumiert werden.

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