Wirtschaft : Weltwirtschaft erholt sich von den Krisen

PARIS / FRANKFURT (MAIN) (ro/AFP).Die OECD sieht nach den Finanzkrisen in Asien und Rußland erste Anzeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft.Die Europäische Union gilt ihr als wachstumsstärkste Region innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.Die Europäische Zentralbank (EZB) konstatiert dagegen in Euroland noch großen Nachholbedarf bei den Spar- und Reformbemühungen.Die Regierungen zeigten "bedauerlich wenig Ehrgeiz", schreiben die Notenbanker in ihrem Monatsbericht.

"Die wirtschaftliche Lage in der Welt und im Bereich der OECD erscheint nun günstiger als vor sechs Monaten", heißt es im jüngsten Wirtschaftsausblick der OECD, der am Dienstag in Paris veröffentlicht wurde.Die Finanzmärkte seien zur Ruhe gekommen.Die exportabhängige deutsche Wirtschaft leide allerdings noch erheblich unter den Turbulenzen der vergangenen Jahre.Für 1999 rechnet die OECD in Deutschland nur noch mit einem Aufschwung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,7 Prozent.Bislang erwartete sie 2,2 Prozent.Für das Jahr 2000 sagt sie 2,3 Prozent voraus.Daneben stellte die OECD in der Bundesrepublik eine Verlangsamung der Investitionstätigkeit fest, die nur zum Teil mit der Exportentwicklung im Zusammenhang stehe.Gestützt wurde die Konjunktur auch in Deutschland durch eine Belebung der privaten Nachfrage im vergangenen Jahr.

Für sämtliche 29 OECD-Staaten geht die Organisation nun von einem Zuwachs der Wirtschaftskraft in diesem Jahr von 2,2 Prozent aus - im Vergleich zu 1,7 Prozent im vorangegangenen Wirtschaftsausblick vom November.Für das kommende Jahr revidierten die Fachleute ihre Prognose dagegen um 0,2 Punkte auf 2,1 Prozent nach unten.Hauptgrund für die positivere Beurteilung 1999 ist das unerwartet gute Abschneiden der US-Wirtschaft, für das die OECD nun ein BIP-Plus in diesem Jahr von 3,6 Prozent erwartet - mehr als doppelt so hoch wie noch im November.Für 2000 rechnen die Experten dann mit einem Abklingen der jahrelangen Expansion in den USA und sagen nur noch einen Aufschwung von 2,0 Prozent voraus.Im kommenden Jahr dürfte die EU damit innerhalb der OECD mit einer Zunahme der Wirtschaftskraft um 2,4 Prozent am besten abschneiden.Nach Ansicht der Fachleute werden das hohe Niveau der privaten Nachfrage und die fortschreitende Erholung der Exportmärkte die Konjunktur beflügeln.

Die Volkswirte der EZB kritisieren in ihrem Monatsbericht vor allem Versäumnisse der Euroländer.Die Anforderungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes seien nach wie vor nur ungenügend erfüllt."In der Regel führt eine unsolide Finanzpolitik zu verstärkten Inflationserwartungen und zwingt die Geldpolitik, die kurzfristigen Zinsen auf einem vergleichsweise hohen Niveau zu halten." Damit würden auch die mit Preisstabilität verbundenen Vorteile eines höheren Wachstums und zu mehr Beschäftigung verspielt.Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit hält die EZB Strukturreformen und die Gesundung der Staatsfinanzen für dringend erforderlich.Sie wirft den Regierungen vor, durch eine laxe Finanzpolitik und zu lasche Sparprogramme keine hinreichende Sicherheiten für konjunkturell schwierige Zeiten einzuplanen.

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