Weltwirtschaft : Schäuble warnt vor der nächsten Krise

Die Weltwirtschaft schwächelt und es könnte noch schlimmer kommen, sagt IWF-Chefin Lagarde. Finanzminister Schäuble ist gegen Konjunkturprogramme auf Pump.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in Shanghai.
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in Shanghai.Foto: dpa

IWF-Chefin Christine Lagarde hat die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) zu raschen Reformen aufgerufen. „Ich fordere umfassende, kräftige und beschleunigte Reformen“, sagte Lagarde am Freitag in Shanghai vor Beratungen der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs.

Angesichts der Wachstumsrisiken müssten Strukturreformen schnell angegangen werden, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter. Sie schloss weitere Rückschläge beim globalen Wirtschaftswachstum nicht aus.

Schäuble warnt vor der nächsten Krise

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte vor einer Regulierungspause an den Finanzmärkten. „Das zu tun wäre ein fürchterlicher Fehler“, sagte er. „Wir müssen die Finanzmarktreformen fortsetzen.“ Forderungen nach einer Lockerung sind laut geworden, nachdem Bankaktien weltweit unter Druck geraten waren. 

„Die aktuelle Unsicherheit könnte die nächste Krise ankündigen“, sagte Schäuble. Die Weltwirtschaft sowie eine Reihe von Staaten müssten robust genug sein, um damit umzugehen. Die öffentlichen und privaten Schuldenstände seien aktuell immer noch zu hoch, das Wachstum immer noch zu schwach. Wer weitere Konjunkturimpulse fordere, lenke von den eigentlichen Aufgaben ab.

Mit Blick auf die eingetrübten Wachstumsaussichten bekräftigte Schäuble, die Möglichkeiten der Geld- und auch der Finanzpolitik seien erschöpft. Umso wichtiger sei es daher, Strukturreformen voranzutreiben. Konjunkturprogrammen auf Pump erteilte er eine Absage. „Das schuldenfinanzierte Wachstumsmodell ist an seine Grenzen gestoßen“, sagte er vor dem Finanzverband IIF. 

Worüber in Shanghai noch gesprochen wird

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 wollten zur Zeit über die Lage der Weltwirtschaft und Finanzmärkte beraten. Die Top-Wirtschaftsmächte ringen auf dem zweitägigen Treffen in der chinesischen Millionenstadt um eine gemeinsame Antwort auf die Börsenturbulenzen sowie Konjunkturrückschläge in wichtigen Volkswirtschaften wie China und Japan. Themen werden auch der Ölpreisverfall sein, die extrem lockere Geldpolitik und die Wechselkurspolitik sowie Maßnahmen gegen die Terrorismusfinanzierung und die Finanzmarktregulierung. 

Die OECD äußerte sich besorgt, weil sich „die Reformträgheit der Jahre 2013-2014“ international verfestigt habe. Gurría warnte: „Angesichts der Herausforderungen, die sich aus der gegenwärtigen Wachstumsschwäche und dem wirtschaftlichen Auseinanderdriften der Gesellschaften ergeben, ist der abnehmende Reformeifer in den Industrie- und Schwellenländern ein ernstes Problem.“ (dpa/rtr)



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