Wirtschaft : Weltwirtschaftsforum Davos: Davos braucht noch mehr Dialog

Daniel Birchmeier

Als draußen die Post abging und die Demonstranten in Davos versuchten, auf das Kongresszentrum vorzurücken, blieb am Tagungsort selbst alles ruhig. Niemand hatte Angst, belästigt zu werden. Aber ganz ohne Wirkung blieben die Proteste dennoch nicht. Die enormen Sicherheitsvorkehrungen beeinträchtigten den früher so hoch gelobten "Geist von Davos". Diese Begleiterscheinungen waren jedoch so einschneidend nicht, dass die Teilnehmer das Weltwirtschaftsforum in Frage stellen würden. Das Forum bleibt vielmehr eine einmalige Gelegenheit für Politiker, Wirtschaftsführer und Vertreter diverser Organisationen zum Meinungsaustausch. Beispielsweise zeigte sich der Direktor der weltgrössten Umweltorganisation WWF International erstaunt, wer alles von den Unternehmenschefs ihn treffen wollte. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass in Davos nicht nur in Hinterzimmern über Business-Optionen und neue Möglichkeiten, "noch mehr Geld aus den Entwicklungsländern zu pressen", wie ein Globalisierungsgegner meinte, diskutiert wird. Klaus Schwab hat sein Forum in den vergangenen Jahren zunehmend auch Nichtregierungsorganisationen geöffnet. Kann dieser zaghafte Dialog weitergeführt und ausgebaut werden, dann dürfte das WEF seine Bedeutung sogar steigern. Sollten indes all die Bekenntnisse von Wirtschaftsführern, man sei am Dialog interessiert, nicht ernst gemeint sein, wird sich das WEF früher oder später selbst abschaffen: Hinterzimmer für neue Geschäftsstrategien gibt es andernorts auch - indes ohne das Scheinwerferlicht der Medien und ohne Proteste.

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