Wirtschaft : Weltwirtschaftsforum Davos: Opec bekennt sich zur Preisstabilität

egl/itt

Die Ölversorgung der Industriestaaten und geringere Wachstumserwartungen standen am Wochenende im Mittelpunkt des Weltwirtschaftsforums von Davos. Im Anschluss an eine Forderung von Bundesfinanzminister Hans Eichel nach Stabilisierung des Ölpreises versicherte der saudische Ölminister Ali Bin Ibrahim el Naimi, die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) wolle trotz der zuletzt höheren Ölpreise an ihrem langfristigen Preisziel von etwa 25 Dollar je Barrel festhalten. Die Opec sei sich ihrer Verantwortung bewusst. Nicht äußern wollte sich el Naimi aber zu Berichten, wonach die Opec im März eine weitere Drosselung ihrer Produktion plant. Erst in der vergangenen Woche hatte die Opec mit Wirkung zum 1. Februar ihre Förderung um täglich 1,5 Millionen Barrel (das Fass zu 159 Litern) gesenkt. Eichel und sein französischer Kollege Laurent Fabius riefen die Opec-Staaten auf, von weiteren Kürzungen der Ölproduktion abzusehen.

Asiatische Teilnehmer machten auf dem Forum die Globalisierung für die Finanzkrise der Region von 1997/98 verantwortlich. Ohne jede Regulierung führe die Globalisierung sowohl national als auch international zu einer größeren Kluft zwischen Arm und Reich, sagte der ehemalige philippinische Präsident Fidel Ramos.

Osteuropabank wirbt um Investitionen

Der Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), der so genannten Osteuropabank, Jean Lemierre, kritisierte in Davos die seiner Ansicht nach zu geringe Risikobereitschaft westlicher Investoren im Geschäft mit Osteuropa. Trotz vieler Fortschritte benötigten die Reformländer "zur vollen Entwicklung ihres großen Wirtschaftspotenzials immer noch ein viel höheres Maß an westlichem Engagement". Doch nach den ersten, von Euphorie geprägten Jahren nach 1990 hätten viele Manager inzwischen wieder den Rückzug angetreten, sagte Lemierre im Gespräch mit dem Handelsblatt. Daher wolle er in Davos dafür werben, die Transformationsländer nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu sei diese Region für Europa und die Welt wirtschaftlich und politisch zu wichtig. Bei westlichen Banken und Investoren habe derzeit die Risikovermeidung in den Emerging Markets und Transformationsländern höchste Priorität. Selbst Kreditinstitute, die in früheren Jahren noch riskante Ostkredite in ihre Bilanzen nahmen, wollte dort heute nur noch als Investmentbank für Beratungsdienste Provisionen verdienen, beklagte Lemierre die aktuelle Situation. Durch diese Haltung verschärften sich die Diskrepanzen bei Wachstum und Investition im früheren kommunistischen Block.

Wie die Osteuropabank selbst sollten westliche Investoren und Kreditgeber aus dem Finanzkollaps Russlands im August 1998 die richtige Lehre ziehen: Im Osten seien nicht Spekulation auf den Anleihemärkten und Entwicklungshilfe, sondern dauerhaftes Engagement im Sinne echter Partnerschaft gefragt. Den jährlichen Kapitalbedarf der östlichen Reformländer zum Aufbau und zu der Modernisierung der Infrastruktur setzt Lemierre mit 35 Milliarden Dollar an. Angesichts der Risikoabneigung privater Investoren sei die Katalysatorrolle der von 61 Ländern getragenen EBWE heute wichtiger denn je, insbesondere für die mittelständischen Unternehmen in der Region. Statt nur Kredite zu gewähren, nehme die Bank auch Beteiligungen in die Bilanz. Statt reguläre Ausleihungen zu machen, besorge sie über Ko-Finanzierung mit Banken erheblich mehr Kapital.

Bill Gates stiftet für Aids-Forschung

Microsoft-Gründer Bill Gates sagte in Davos der Aids-Forschung eine finanzielle Unterstützung von 100 Millionen Dollar zu. Zugleich forderte er die anderen Teilnehmer zum Mitspenden auf. Der Vorsitzende der Internationalen Initiative für einen Aids-Impfstoff, Seth Berkley, kündigte an, der erste speziell für Afrika entwickelte Impfstoff werde in Nairobi klinisch erprobt, sobald die kenianische Regierung die Genehmigung erteile.

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