Wirtschaft : Weltwirtschaftsforum mit Appell zu sozialer Verantwortung eröffnet

Der Schweizer Bundespräsident Adolf Ogi hat zur Eröffnung des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos die Vertreter der Wirtschaft an ihre wachsende soziale Verantwortung erinnert. Der globale Fortschritt der Wirtschaft müsse gesellschaftlich gestaltet werden und zwar zusammen mit der Politik.

Die Wirtschaft sei für das Wohl jeder Gesellschaft zwar von großer Bedeutung, sagte Ogi laut dem vorab veröffentlichten Redetext. Sie sei deshalb aber noch lange nicht die ganze Gesellschaft, sondern nur ein Teil davon. Die Gesellschaft könne nicht nur wirtschaftlich voranschreiten, sondern müsse sich auch in anderen Gebieten entwickeln, etwa im politischen, sozialen und kulturellen Bereich.

In einer globalisierten Wirtschaft seien Wirtschaftsführer wie Politiker in ihrem Handeln dem Gemeinwohl verpflichtet. Angesichts der Tatsache, dass Finanzflüsse in der vernetzten Welt Fortschritt und Prosperität bedeuten, aber auch ganze Nationen in die wirtschaftliche Depression stürzen könnten, ergebe sich für die Wirtschaft ein gewaltiger Zuwachs an Verantwortung, sagte Ogi weiter. Er sei sich bewusst, dass die Politik - im Gegensatz zur global arbeitenden Wirtschaft - noch zu sehr im nationalen Rahmen ihre Wirkung entfalte. Die Politik müsse daher ebenfalls global wirken und globale Regeln für die wirtschaftliche Entwicklung realisieren. Nur so werde es auch den Bürgerinnen und Bürgern möglich, an der weltwirtschaftlichen Ordnung mitwirken zu können, die nicht allein den Profit der Aktionäre zum Ziel habe, sondern auch Freiheit und Gerechtigkeit.

Der Schweizer Wintersportort Davos ist am Donnerstag wieder für mehrere Tage zum Treffpunkt von Politikern, Spitzenmanagern, Wissenschaftlern und Medienvertretern geworden. Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen sollte am Abend das traditionelle Weltwirtschaftsforum beginnen, an dem erstmals mit Bill Clinton ein US-Präsident teilnehmen will.

Schwerpunkt des Treffens ist in diesem Jahr die Frage, wie das Internet die Wirtschaft, den Arbeitsalltag und die Gesellschaft verändert. Europas Topmanager machen sich Sorgen, weil sie im Internet-Geschäft weit hinter ihren amerikanischen Konkurrenten herhinken. Nach einer in Davos veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers ist jeder vierte Vorstandschef in Europa der Meinung, dass die europäischen Firmen bei den Geschäften im Internet "deutlich zurückliegen". Nur acht Prozent der befragten Führungskräfte bezeichneten sich selbst als kompetente Internet-Nutzer.

Den Auftakt des Forums bildete am Donnerstag ein optimistischer Ausblick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft in diesem Jahr. Vor allem in den westlichen Industrienationen erwarten die in Davos versammelten Experten eine Fortsetzung des Wachstums.

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