Weltwirtschaftsforum : Sarkozy: Der Euro wird niemals abgeschafft

Frankreichs Staatschef Sarkozy schwört trotz der Schuldenkrise auf den Euro. Aus den Schwellenländern schallt die Warnung vor Unruhen infolge explodierender Rohstoffpreise und Hunger. Gesprächsstoff gibt es genug beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

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Nicolas Sarkozy in Davos.
Nicolas Sarkozy in Davos.Foto: AFP

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat eindringlich für den Euro und ein neues globales Währungssystem geworben. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagte er am Donnerstag, er rate denjenigen, die gegen den Euro spekulierten, zu Vorsicht. Die Bundeskanzlerin und er seien sich völlig einig: „Frau Merkel und ich werden den Euro niemals – hören Sie: niemals! – fallen lassen“, sagte Sarkozy unter dem Applaus von einigen hundert Managern und Unternehmern aus aller Welt. „Der Euro ist Europa, und Europa ist 60 Jahre Frieden auf unserem Kontinent. Nie werden wir es zulassen, dass man den Euro zerstört.“ Merkel tritt am heutigen Freitag in Davos auf.

Sarkozy, derzeit Präsident der Gruppe der großen Industrie- und Schwellenländer (G 20), beklagte in Davos, dass es seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems vor 40 Jahren keine Ordnung mehr gebe. „Niemand will feste Wechselkurse, aber wir brauchen Stabilität.“ Die Lösung müsse eine andere sein als 1944, als das Bretton-Woods-System geschaffen wurde, denn der Dollar sei nicht mehr die einzige Leitwährung. „Ich weiß, dass wir nicht in einem Jahr ein neues Weltwährungssystem schaffen können. Aber legen wir den Grundstein!“

Sarkozy bemühte sich, nicht den Eindruck zu erwecken, er richte sich gegen die USA. „Niemand will den Dollar schwächen, die Welt braucht den Dollar“, sagte er. Er bleibe die wichtigste Währung der Welt. Aber inzwischen spiele auch der chinesische Yuan eine große Rolle. Der Franzose wandte sich gegen US-Bestrebungen, hohe Handelsüberschüsse bestimmter Nationen – im Gespräch sind stets China und Deutschland – einzudämmen. Exportstärke könne man niemandem vorwerfen.

Sarkozy kündigte ferner eine G-20-Initiative gegen Spekulation mit Rohstoffen an. Es gehe nicht darum, den Handel einzuschränken, sondern ihn just zu ermöglichen. „Ein Markt ohne Regeln ist kein Markt.“ Heute sei es zum Beispiel möglich, 15 Prozent der Kakaoproduktion der Welt zu kaufen und weiter zu verkaufen, bevor man überhaupt bezahlt habe. Künftig sollten solche Geschäfte mit Geld hinterlegt werden müssen. Der Ansatz ist nicht neu: Die G 8 beschäftigen sich schon seit Jahren weitgehend erfolglos mit dem Thema.

Nach Sarkozys Worten waren es vor allem die G 20, die einen glimpflichen Ausgang der Finanzkrise erreicht haben. „Für 2010 hat man uns das Schlimmste vorhergesagt.“ Tatsächlich sei aber die globale Wirtschaftsleistung um fünf Prozent gewachsen. Allerdings sei das Wachstum in der Welt ungleich verteilt. Die G 20 wollten eine Palette von Indikatoren für solche Ungleichgewichte zusammenstellen, deren Entwicklung vom IWF überwacht werden solle. Dieser Ansatz geht auch auf Angela Merkel zurück, die sich dafür beim vergangenen G-20-Gipfel in Seoul stark gemacht hatte.

Die Arbeit der G 20 werde nun schwieriger, weil man nicht mehr am Rand des Abgrunds stehe und die Antworten nicht für alle auf der Hand lägen, sagte Sarkozy. Auf keinen Fall dürfe die globale Wirtschaft zurück in das Vorkrisenmuster fallen. Harsche Worte hatte er wie im Vorjahr für die Banken übrig. „Eigentlich hat man mit unserem Ersparten in den Banken Roulette gespielt“, sagte er auf eine Nachfrage von James Dimon, dem Chef der US-Großbank JP Morgan Chase. Einig ist sich Dimon mit Sarkozy jedoch, was Europa angeht. „Ich denke, die EU ist eine der bedeutendsten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte“, sagte der US-Banker. Die EU-Politiker reagierten auch richtig auf die Schuldenkrise. Es sei falsch, die Schulden der Mitgliedsländer zu vergemeinschaften, solange es wesentliche Unterschiede etwa bei Renten und Arbeitszeiten gebe. „Sonst bezahlen am Ende die einen für die anderen.“ Seine Bank habe ganz bewusst an aktuellen Risikopositionen in Europa festgehalten – weil sie langfristig investiere.

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