Wirtschaft : Wende auf dem Arbeitsmarkt erst 2004

Zahl der Menschen ohne Job im August nur leicht gesunken/ Gerster: Ämter haben den Druck verstärkt

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Berlin (ce/asi). Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) rechnet erst in knapp einem Jahr mit einer Belebung am deutschen Arbeitsmarkt. „Frühestens Mitte nächsten Jahres“, sagte BAChef Florian Gerster am Donnerstag, sei mit einem Aufschwung zu rechnen. Dass die Arbeitslosenzahl im Winter fünf Millionen erreichen wird, davon geht Gerster allerdings nicht mehr aus. Eine leichte Besserung gab es in diesem August. Die Arbeitslosigkeit ging um 37800 auf 4,314 Millionen zurück. Das waren 296000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr.

Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit entgegen den Erwartungen vieler Experten nicht weiter an. Die Quote verharrte bundesweit bei 10,6 Prozent. Gerster führte diese Stagnation auf die Vermittlungsaktivität der Arbeitsämter zurück. Durch den höheren Druck der Arbeitsämter melden sich viele Arbeitslose ab. Zudem wird die Statistik durch Existenzgründungen und Zeitarbeit von Arbeitslosen entlastet. Seit Jahresanfang machten sich knapp 51200 Arbeitslose mit Hilfe von BA-Zuschüssen als so genannte Ich-AG selbstständig. Gerster sprach von einem „überraschenden Erfolg“.

Angesichts der geringen Vermittlungszahlen in den PSA dringt die Zeitarbeitsbranche auf rasche Nachbesserungen bei den neuen Personal Service Agenturen (PSA). „Die PSA sollten sich auf schwer vermittelbare Arbeitslose beschränken“, sagte Gert Denkhaus, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Zeitarbeit (BZA) dem Tagesspiegel. Derzeit können die insgesamt 820 PSA, die Arbeitslose an Unternehmen verleihen, ihre Klientel auswählen: vom Akademiker, der erst seit kurzem arbeitslos ist, bis zum schwer Vermittelbaren, der bereits länger nach einer Stelle sucht. BZA-Hauptgeschäftsführer Denkhaus beklagt, dass die Arbeitsämter derzeit „zu viele gute Leute in die PSA geben“. Das führe zu einer Kannibalisierung in der übrigen Zeitarbeitsbranche. Weniger als ein Drittel der PSA-Betreiber sind private Zeitarbeitsfirmen, die Mehrheit sind gemeinnützige Träger oder Beschäftigungsgesellschaften.

Über die PSA sollen Arbeitslose dauerhaft in einen festen Job vermittelt werden – Experten nennen das den „Klebeeffekt“. Dafür bekommen die PSA von den Arbeitsämtern Zuschüsse, etwa für Weiterbildung. Für Verärgerung hatten in der Zeitarbeitsbranche einige schwarze Schafe gesorgt, die ihre Zuschüsse benutzten, um ihre Beschäftigten zu Dumping-Preisen an die Unternehmen zu verleihen. „Das ist aber zum Glück nicht PSA-Kultur“, sagt Werner Stolz, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ). Stolz hofft, dass sich auf Dauer „eine Selektion der schwarzen Schafe“ ergeben werde. Nach dem anfänglichen heftigen Protest gegen diese PSA-Betreiber habe man sich in der vergangenen Woche bei einem Treffen der Verbände darauf verständigt, die Entwicklung erst einmal sehr genau zu beobachten.

Auch die Bundesanstalt will Mitte Oktober auf einer Konferenz Zwischenbilanz ziehen. Gerster deutete am Donnerstag an, dass der Gesetzgeber vielleicht nachjustieren müsse. Bislang waren die PSA wenig erfolgreich: Bis Ende August wurden nach Angaben von BA-Chef Gerster erst 451 Arbeitslose fest in einen neuen Job vermittelt. Gerster warnte, man solle keine „übertriebenen Erwartungen“ an den Erfolg der PSA haben. Insgesamt seien derzeit rund 14 700 Arbeitslose in den PSA beschäftigt. Gerster bezeichnete das Ziel als „realistisch“, dass bis zum Jahresende 50 000 Menschen dort beschäftigt würden.

Gleichzeitig warnte der BA-Chef allerdings vor übertriebener Hoffnung für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit insgesamt. Eine konjunkturelle Besserung auf dem Arbeitsmarkt sei nicht in Sicht. „Die in letzter Zeit vergleichsweise günstige Tendenz der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl beruht weiterhin vor allem auf verstärkten Bemühungen zur Aktivierung von Arbeitslosen in Verbindung mit den Reformgesetzen am Arbeitsmarkt“, erklärte Gerster. Die saisonbereinigte Zahl war im Juli leicht um 7000 gestiegen, in den beiden Vormonaten aber deutlich gesunken. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) äußerte sich am Donnerstag optimistisch hinsichtlich einer Konjunkturbelebung.

Zur Höhe des Bundeszuschusses zur BA in diesem Jahr wollte sich Gerster nicht äußern. Das bisher genannte Defizit von 6,5 Milliarden bis 7,5 Milliarden Euro sei eine reine Rechengröße und keine Prognose. Bis Ende August habe die BA knapp 5,4 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen.

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