Wende hin zu neuen Geschäftsmodellen : „Wir setzen jetzt voll auf Biogas“

Für Erich Kullmann, Geschäftsführer der Loburger Brennerei in Sachsen-Anhalt, rentiert sich die Brennerei allein nicht mehr.

Fritz Zimmermann

Herr Kullmann, an wen verkaufen Sie nach dem Wegfall des Branntweinmonopols ihren gebrannten Rohalkohol, wenn nicht an den Staat?

Bis zum 31. Dezember dieses Jahres habe ich einen Vertrag mit einem privaten Abnehmer geschlossen. Für die Zeit danach weiß ich es noch nicht.

Lohnt sich der Verkauf auf dem freien Markt für Sie denn noch?

Nein, die Wirtschaftlichkeit ist stark eingeschränkt.

Was machen Sie dann jetzt mit ihrem Betrieb?

Wir haben in Biogasanlagen investiert. Die Schlempe, die beim Brennen übrig bleibt, können wir dann als Rohstoff in der Biogasanlage nutzen. Dabei entsteht Gas, mit dem wir Strom erzeugen.

Das bedeutet, die Einnahmen aus dem Verkauf von Alkohol fallen ersatzlos weg.

Die Schlempe ist jetzt unser Produkt. Die Brennerei rentiert sich nur noch in Verbindung mit der Biogasanlage. Wir haben investiert; die Betriebe, die sich nur auf das Brennereigeschäft verlassen haben, müssen Ende des Monats ihren Laden dichtmachen.

Fühlen Sie sich also vom Staat nicht ausreichend bei der Umstrukturierung unterstützt?

Natürlich entschädigt der Staat die Brennereien finanziell über die vereinbarten Ausgleichszahlungen. Wer das Geld klug einsetzt, kann seinen landwirtschaftlichen Betrieb umgestalten: Ackerland kaufen, in neue Maschinen investieren, sich neue Geschäftsfelder suchen – wie wir mit der Biogasanlage. Förderangebote, mit denen sich Brennereien zu Gemeinschaften zusammenschließen und gemeinsam vermarkten können, sind in meinen Augen hingegen nicht sinnvoll.

Warum nicht?

Gehen Sie mal in den Supermarkt und schauen Sie sich das Spirituosen-Regal an. Das Angebot ist riesig. Sie können mir glauben, ich kenne mich da aus, weil ich das schon seit 1997 mache. Für kleine Hersteller, selbst wenn sie sich zusammenschließen, ist es ganz schwierig, da noch reinzukommen.

Ab 2017 dürfen Kleinbrenner in ganz Deutschland produzieren und nicht – wie bisher – nur in Süddeutschland. Wird das den Markt für Obstbrände verändern?

Ich denke, eher nicht. Um als sogenannter Abfindungsbrenner aktiv zu werden, muss man einen eigenen Hof nachweisen und zehntausende Euro in eine Brennanlage investieren. Bei den 300 Litern Alkohol, die ein Kleinbrenner jährlich herstellen darf, lohnen sich derartige Investitionen kaum. Es gibt dann eben bald nur noch Jägermeister und Kümmerling.

Das Gespräch führte Fritz Zimmermann.

Erich Kullmann (65) ist Geschäftsführer der Loburger Brennerei GmbH in Sachsen-Anhalt. Mit seinen Bränden und Likören kommt er auch auf die Grüne Woche in Berlin.

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