Wirtschaft : Wenig Begeisterung für die Aktie Gelb

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Berlin (beh). Klaus Zumwinkel dürfte es nicht unbedingt freuen: Die meisten Aktien-Experten halten die Aktie Gelb für fair bewertet. Kaufempfehlungen mag kaum jemand abgeben; für die Mehrzahl der Analysten ist das Papier der Deutschen Post nur eine Halteposition. Der Kurs lag Donnerstag am frühen Abend bei 15,38 Euro und damit fast ein Drittel unter dem Emissionspreis.

Vielen Analysten stecken zu viele Risiken in dem Post-Papier. Neben den aktuellen Tarifverhandlungen zählen dazu vor allem die möglichen Auswirkungen der Marktliberalisierung. Ein weiterer Belastungsfaktor ist die Absicht des Großaktionärs Bund, sich von einem Teil seiner Aktien zu trennen. Bei einer Erhebung des Dienstleisters JCF Consensus Estimates unter 29 Analysten empfahlen 17, die Aktie zu halten. Es gab nur drei Kaufempfehlungen. Das Research-Team der Schmidt-Bank gehört zu jenen Optimisten. Die fränkische Bank hält die Aktie trotz der relativ geringen Gewinndynamik, die für die kommenden Jahre erwartet wird, für unterbewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Gradmesser dafür, ob eine Aktie teuer oder günstig ist, liegt derzeit auf Basis der Gewinnschätzungen für 2003 bei 11,5. Nach Volkswagen ist das der geringste Wert im gesamten Dax. Für die Post spricht laut Schmidt-Bank die geringe Verschuldung sowie ein stabiler und hoher Cash Flow.

Die HSBC Investmentbank rät dagegen mit Blick auf die zahlreichen Risikofaktoren, die Anteile der Post im Portfolio zu reduzieren. Bei den Tarifverhandlungen sieht die Großbank Risiken, dass der Lohnabschluss höher als 3,5 Prozent liegt, wenn auch nicht bei 6,5 Prozent, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert. Die Post habe 3,5 Prozent in ihre Planungen aufgenommen. Beim Gewinn sieht HSBC auch im kommenden Jahr „Abwärtsrisiken“. Das Kursziel der Analysten liegt mit 13,50 Euro dann auch deutlich unter dem derzeitigen Niveau. Auch die Experten des Bankhauses Delbrück schließen einen höheren Tarif-Abschluss nicht aus. Die Analysten rechnen mit einer Lohnerhöhung zwischen 3,5 und vier Prozent, die zu einer Erhöhung der Personalkosten von mehr als 70 Millionen Euro führen und in erster Linie das Briefgeschäft belasten werde. Der Rat von Delbrück: „Halten“.

Die Aktie der Deutschen Post war im November 2000 zu einem Preis von 21 Euro ausgegeben worden. Zu einem Highflyer konnte sie sich nie entwickeln. Nach einem Hoch von 24 Euro Anfang 2001 ging es stetig bergab. Der Tiefpunkt war bei 13 Euro im September 2001 erreicht, als nach den Terroranschlägen in den USA weltweit Briefe verschickt wurden, die mit dem Milzbranderreger Anthrax verseucht waren.

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