Wirtschaft : Wenig Chancen für Kapitalspritze der Kirch-Gesellschafter

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In die Wiederbelebungspläne für die zahlungsunfähige Kirch-Media kommt offenbar Bewegung. Die Mitgesellschafter um die Medienunternehmer Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi ziehen eine weitere Kapitalspritze für das Kerngeschäft der Kirch-Gruppe in Betracht. "Wir sind grundsätzlich bereit, durch eine Kapitalerhöhung eine Insolvenz von Kirch-Media zu verhindern", sagte ein Sprecher des Kirch-Media-Gesellschafters Rewe am Freitag in Köln. Auch die anderen Investoren wollen offenbar die Kirch-Media grundsätzlich mit weiterem Geld retten. Unterdessen rückt der millionenschwere Beratervertrag für Leo Kirch in greifbare Nähe. Am Freitag wollte der Gläubigerausschuss über den Vertrag an den Firmengründer beraten. Anschließend müsse noch der vorläufige Insolvenzverwalter zustimmen, hieß es in Unternehmenskreisen.

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Branchenkreise bewerteten den Rettungsversuch der Kirch-Gesellschafter gleichwohl skeptisch. "Das ist zwar theoretisch möglich, aber äußerst unwahrscheinlich", sagte ein Vertreter der Kirch-Gläubigerbanken. Er reagierte damit auf einen Brief von Anteilseignern der Kirch-Media an den vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Darin erwägt eine Investorengruppe um Murdoch und Berlusconi ihre Beteiligung an einer 800 Millionen Euro umfassenden Kapitalerhöhung bei Kirch-Media. Mit dieser Summe sei es möglich, Kirchs Dachgesellschaft für Rechtehandel, Filmproduktion und werbefinanzierte TV-Sender wie Pro Sieben und Sat 1 wieder aus der Insolvenz herauszunehmen, heißt es. In Bankenkreisen wird das allerdings bezweifelt.

Der Finanzbedarf zur Rettung des Teilkonzerns liege zum einen höher. Zum anderen müsste mit den Hollywoodstudios sowie den Gläubigern der Put-Optionsgeschäfte neu verhandelt werden, was nach monatelangen, fruchtlosen Gesprächen nahezu unmöglich sei. Insolvenzverwalter Jaffé nahe stehende Kreise bewerteten die Offerte von Murdoch, Berlusconi und Co ebenfalls "sehr zurückhaltend". Die Investoren hätten schon mehrfach die Gelegenheit gehabt, finanziell einen Beitrag zur Rettung der Kirch-Gruppe zu leisten, aber im entscheidenden Augenblick immer zurückgezogen. Weder die Kirch-Gruppe noch Insolvenzverwalter Jaffé wollen den Vorstoß der Investoren derzeit selbst kommentieren.

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