Wirtschaft : Wenig Licht bei Olympus

Der Betrugsskandal mündet in Schadenersatzklagen und weitere Rücktritte.

Martin Kölling (HB)
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Tokio - Am Ende war er nur noch froh, dass für ihn alles vorbei ist. Die Entscheidung, den Machtkampf um die Führung von Olympus aufzugeben, „hat ein enormes Gewicht von meinen Schultern genommen“, sagte Michael Woodford vor wenigen Tagen in Tokio. Kurz zuvor hatte der im Oktober von seinen Kollegen abgesetzte Ex-Chef des Kameraherstellers erklärt, sich nicht mehr durch einen Mehrheitsentscheid der Aktionäre an die Spitze des Unternehmens zurückputschen zu wollen.

Nicht nur Woodford atmet auf, auch das aktuelle Olympus- Management, viele Aktionäre und sogar westliche Beobachter. Denn Woodfords Versuch, die Firma zu übernehmen, stieß nicht nur bei Japanern auf Unverständnis. Der Tenor lautete, dass Woodford sich durch die rigorose Aufdeckung des Bilanzskandals zwar große Verdienste erworben habe. Aber gleichzeitig habe er auch so viel Porzellan zerschlagen, dass nun unbelastete Manager Olympus aufrichten müssten.

Woodford war der Mann, der nach seinem Rauswurf unsaubere Zahlungen seiner Vorgänger gleich Journalisten gesteckt hatte – damit löste er einen der größten Bilanzskandale der japanischen Geschichte aus und ruinierte das Unternehmen fast. Aber er hatte recht: Es ist nachgewiesen, dass Olympus mehr als eine Milliarde Euro an jahrzehntelang versteckten Buchverlusten auf Aktienbesitz durch den überteuerten Kauf von Firmen und ein absurd hohes Beraterhonorar verdeckt abgeschrieben hat. Woodford sieht sich über jede Kritik erhaben und tut so, als ob er sich wieder einmal zum Wohle der Firma opfere. Der Brite erweckte noch am Freitag den Eindruck, bei einer Abstimmung der Aktionäre die Mehrheit hinter sich zu haben. „Aber selbst, wenn ich gewonnen hätte, in welche Lage wäre ich zurückgekommen?“, fragte er rhetorisch. Japans institutionelle Investoren hätten geschwiegen, die Hausbank Mitsui Sumitomo sei offen gegen ihn. Das sei nicht gesund, das wolle er Olympus nicht zumuten.

Das Fazit des 51-Jährigen ist bitter. Trotz der Beteuerungen der Regierung, den Skandal restlos aufklären zu wollen, ticke Japan noch immer anders als westliche Länder. Es sei bizarr: „Ich werde gefeuert, weil ich das Richtige tue, aber der Vorstand, der für den Skandal verantwortlich ist, ist immer noch im Amt.“

Die Frage ist nur, wie lange noch. Denn im Gegensatz zu Woodfords Klage sind weder das Unternehmen noch frühere oder aktuelle Manager vom Haken. Im Dezember durchsuchten Japans Behörden den Hauptsitz von Olympus sowie die Häuser verdächtigter Ex-Vorstände. Je nach der Schwere der Befunde kann Olympus immer noch vom Börsenhandel ausgeschlossen werden.

Aber auch für den Vorstand wird es eng. Er wollte ohnehin sehr wahrscheinlich in einer außerordentlichen Hauptversammlung im März zurücktreten. Aber nun wird der unabhängige Untersuchungsausschuss einem Bericht der Wirtschaftszeitung Nikkei zufolge Olympus auch empfehlen, nicht nur die drei Drahtzieher, sondern auch den amtierenden Präsidenten Shuichi Takayama sowie die anderen Vorstandsmitglieder auf Schadenersatz zu verklagen. Denn alle früheren Vorstandsmitglieder würden Verantwortung für den Bilanzbetrug tragen. Nach unbestätigten Angaben sind umgerechnet 900 Millionen Euro im Gespräch.

Auch Woodford will sich schadlos halten. Er kündete an, Olympus wegen unrechtmäßiger Entlassung auf Schadenersatz zu verklagen. Ansonsten warb er bereits für seine zweite Karriere. „Ich bin sehr motiviert, weiter zu predigen, was passiert ist und warum es passiert es“, sagte Woodford. Martin Kölling (HB)

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