Wirtschaft : Wenig Tourismus, viel Verkehr

Tui-Chef Michael Frenzel setzt auf die Schifffahrt / Scharfe Kritik von Aktionären

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Hannover - Nach dem Abschied vom Ziel eines reinen Tourismus-Konzerns sieht die Tui ihre stärksten Wachstums- und Ertragschancen in der Container-Schifffahrt der Hamburger Tochter Hapag-Lloyd. Auf der Hauptversammlung in Hannover beschwor Tui-Chef Michael Frenzel das zuvor von Investoren immer wieder kritisierte Festhalten an der Sparte erneut. Obwohl sie nach dem Verfall der Frachtraten die Bilanz 2006 verhagelt hatte, hofft die Konzernspitze, schon bald an zweistellige Zuwachsraten der früheren Jahre anknüpfen zu können.

Laut Finanzvorstand Rainer Feuerhake hat Hapag-Lloyd bis zum Einbruch im vergangenen Jahr durchschnittliche Renditen von 18 Prozent erzielt. Frenzel betonte wie bei früheren Anlässen, dass die Probleme der Schifffahrt nicht unternehmensbezogen, sondern zyklisch seien. „Wir sind von der nachhaltigen Ertragskraft der Schifffahrt überzeugt“, sagte er. Er hoffe, dass im ersten Quartal dieses Jahres der Tiefpunkt der Entwicklung erreicht worden sei.

Verhaltener äußerte sich der Tui-Chef zur Zukunft der Touristiksparte. „Wir sind zwar die Nummer eins in der Welt, aber unsere Wettbewerbsposition und unsere Ertragskraft ist unter Druck“, sagte Frenzel. Zwar sei die Reise-Sparte 2006 mit einem operativen Ergebnis von 400 Millionen Euro „ein Stück weiter vorangekommen“, doch sie verdiene selbst damit noch nicht die Kapitalkosten.

Große Hoffnungen setzt die Tui auf die Fusion mit dem britischen Reiseveranstalter First Choice. Die neue Firma soll als Tui Travel plc in London an die Börse gebracht werden. Abgesehen von Expansionsmöglichkeiten in touristische Spezialmärkte seien Synergien von 150 Millionen Euro zu erwarten. Frenzel blieb jedoch vage und begründete dies mit der noch ausstehenden Genehmigung der Kartellwächter.

Konkrete Zukunftsprognosen blieb Frenzel den Versammelten erneut schuldig. Die Schifffahrt werde sich „mit weiteren Effizienzverbesserungen auf den Aufschwung vorbereiten“. Die „vordringlichste Aufgabe“ sei ein guter Start der Tui Travel.

Kleinaktionäre und Fonds-Manager nutzten die Veranstaltung zur massiven Kritik an Frenzels Kurs. „Wir fragen uns ernsthaft, ob Sie selbst einen Überblick haben, wo entlang Ihres integrierten Geschäftsmodells das Geld verdient oder verloren wird“, sagte Susan Levermann von DWS Investments. Hans-Georg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger stellte die Fusion mit First Choice in Frage. Da die Tui AG nur 51 Prozent an der Tui Travel halte, müsse sich der Gewinn verdoppeln, damit die Aktionäre wie bisher daran beteiligt wären, meinte Martius. ek (HB)

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