Wirtschaft : Weniger als vier Millionen Arbeitslose

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Nürnberg/Berlin (dpa/hop). Erstmals in diesem Jahr ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai unter die Marke von vier Millionen gesunken. Arbeitsmarktexperten erwarten nach dpa-Informationen am Monatsende 3,874 Millionen Erwerbslose. Das wären 150 000 weniger als im April, aber noch 150 000 mehr als im Mai des vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote sinkt den Prognosen zufolge von 9,7 auf 9,4 Prozent. Die genauen Daten will die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg am 7. Juni veröffentlichen.

Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) bestätigte der „Bild“-Zeitung den Rückgang im Mai. Riester sagte: „Die Zahl der Arbeitslosen wird deutlich unter vier Millionen liegen. Die Talsohle ist durchschritten.“ Fachleute teilten diese Einschätzung jedoch nicht. Sie wiesen darauf hin, dass sich bei den saisonbereinigten Zahlen voraussichtlich eine Zunahme ergeben werde. Im April lag diese Kennziffer bei 3,974 Millionen. „Wir sind dabei, die Talsohle zu durchschreiten. Dass sie schon durchschritten ist, halte ich für ein optimistisches Statement“, sagte der Experte eines Wirtschaftsinstituts.

Von einer grundlegenden Erholung ist der Arbeitsmarkt auch wegen struktureller Schwächen weit entfernt. Hilmar Schneider, Programmdirektor für Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstiut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, sagte am Mittwoch, besonders von Arbeitslosigkeit betroffen seien gering Qualifizierte und Menschen über 55 Jahren. Vor allem gering Qualifizierte hätten oft keinerlei Anreiz, eine Arbeit anzunehmen, sagte er beim Berlin Lunchtime Meeting, das vom IZA, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik (CEPR), London, ausgerichtet wird. Durch das aktuelle Sozialhilfe- und Steuersystem habe ein Arbeitsloser zum Beispiel keinen Vorteil mehr, wenn er eine Arbeit mit einem Stundenlohn unter 11,80 Euro aufnehme. Immerhin 40 Prozent der Arbeitslosen sind gering Qualifizierte. Und je länger jemand arbeitslos sei, desto schwieriger sei es, ihn wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

In einer aktuellen Umfrage kommt wiederum das DIW zu dem Schluss, dass jeder fünfte – gemeldete – Arbeitslose gar nicht mehr arbeiten will. Vor allem Ältere betrachteten die Arbeitslosigkeit als Übergangsphase vor dem Ruhestand.

Der dpa sagte ein Experte, die Arbeitslosenzahl wäre ohne das neue Job-Aqtiv-Gesetz deutlich höher. Da das Gesetz vorsieht, dass Arbeitssuchende bei der Vermittlung aktiv mitwirken müssen, hätten viele Erwerbslose seitdem ihre Arbeitslosmeldung nicht erneuert. Auch fielen ältere Arbeitnehmer aus der Statistik, die Rente beantragt hätten und damit dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stünden. Vor allem die alten Bundesländer profitieren von der Erholung auf dem Arbeitsmarkt. „Den Haupteffekt sehe ich im Westen“, sagte ein Experte. Im Osten sei die Arbeitslosenzahl wegen der hohen Zahl von Pendlern und Abwanderern nur bedingt aussagekräftig. Im April betrug die Arbeitslosenzahl in den alten Bundesländern 2,6 Millionen, in den neuen Ländern waren es 1,42 Millionen.

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