Wirtschaft : Weniger Arbeit im August

Krise hinterlässt Spuren in der Arbeitslosenstatistik.

von und mit rtr

Berlin - Die Angst vor einer Rezession trübt derzeit die Stimmung in der Wirtschaft. Im August ging der Ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge zurück, weil die Firmen in den nächsten Monaten schlechtere Geschäfte erwarten. Nun macht sich die Sorge vor einem Auftragsrückgang auch am Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nahm im August im Vergleich zum Vormonat um 29 000 zu – und damit dreimal so stark wie für den Ferienmonat üblich. Insgesamt waren im August 2,905 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, was einer Quote von 6,8 Prozent entspricht.

Nun sei „eine Seitwärtsbewegung zu erwarten“, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, bei der Präsentation der Arbeitslosenzahlen in Nürnberg. Es zeige sich inzwischen das geringere Wachstum der deutschen Wirtschaft. Wegen der Schuldenkrise waren im ersten Halbjahr die Exporte in Krisenstaaten teilweise zweistellig eingebrochen. „Der Arbeitsmarkt in Deutschland stagniert mit der wirtschaftlichen Situation, aber er ist noch immer stabil“, kommentierte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Eine Trendwende sieht die Bundesagentur für Arbeit aber nicht. „Die gute Entwicklung verliert nur an Dynamik“, sagte Weise. Immerhin sei dies die niedrigste August-Arbeitslosigkeit seit 21 Jahren. Auch die Zahl der Erwerbstätigen entwickele sich weiter positiv. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes gab es im Juli 41,68 Millionen Erwerbstätige; binnen Jahresfrist wurden 469 000 neue Stellen geschaffen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 546 000 auf 28,93 Millionen. „Arbeit ist immer noch da. Das zeigt schon das gesamtwirtschaftliche Angebot offener Stellen, das zuletzt wieder über die Marke von einer Million geklettert ist“, sagte von der Leyen dazu.

Allerdings gilt das nicht für alle Branchen. In Zeitarbeitsunternehmen und öffentlichen Verwaltungen seien in den vergangenen zwölf Monaten Stellen gestrichen worden, sagte Weise. Andere Firmen zögerten mit Einstellungen. Eine verstärkte Nachfrage von Unternehmen nach Kurzarbeit registriere die BA derzeit bundesweit aber noch nicht, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker.

Kritik kam jedoch von den Gewerkschaften. „Sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen in viele schlecht bezahlte Jobs zu parzellieren oder arme Rentner in Minijobs zu stecken, ist die falsche Antwort“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki, der stattdessen eine Stärkung der Binnennachfrage forderte.

In Berlin ging die Zahl der Arbeitslosen im August im Unterschied zum Bund weiter zurück. Insgesamt waren in der Hauptstadt 214 796 Arbeitslose gemeldet und damit 1815 weniger als im Vormonat und knapp 16 000 weniger als vor einem Jahr. Dennoch liegt die Arbeitslosenquote mit 12,2 Prozent immer noch deutlich über dem Bundesschnitt. Wegen der weiterhin hohen Jugendarbeitslosigkeit – hier liegt die Quote bei 14,2 Prozent – rief Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) Berliner Firmen auf, stärker auszubilden und auch „leistungsschwächeren Jugendlichen Perspektiven auf einen Einstieg in den Beruf“ zu eröffnen“. In Brandenburg sank die Arbeitslosenquote im August um 0,3 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent – laut Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) der niedrigste Wert seit Neugründung des Landes. Jahel Mielke (mit rtr)

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