Weniger Exporte nach Russland : Sanktionen gefährden 150.000 Jobs in Deutschland

Die EU hat ihre Sanktionen gegen Russland kürzlich verlängert. Ein Fehler, wie der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft meint. Vor seinem Rückzug warnt der Vorsitzende Eckhard Cordes vor massiven Jobverlusten.

Eckhard Cordes zieht sich im Herbst von der Spitze des Ostausschusses zurück.
Eckhard Cordes zieht sich im Herbst von der Spitze des Ostausschusses zurück.Foto: Uwe Anspach/dpa

Der durch die Russland-Sanktionen ausgelöste Einbruch der deutschen Exporte gefährdet nach Einschätzung der Wirtschaft mittlerweile bis zu 150.000 Jobs in Deutschland. Die Ausfuhren würden im laufenden Jahr erneut um mehr als 25 Prozent schrumpfen und sich damit im Vergleich zum Rekordjahr 2012 auf nur noch 20 Milliarden Euro halbieren, warnt der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft.

„Die aktuellen Zahlen übertreffen selbst unsere schlimmsten Befürchtungen“, sagte Ausschuss-Chef Eckhard Cordes am Freitag in Berlin. Er forderte eine Lockerung der vor einem Jahr verhängten EU-Strafmaßnahmen gegen Moskau: „Wir brauchen den Einstieg in den Ausstieg aus den Sanktionen.“

Mittelständler aus Ostdeutschland besonders betroffen

Russland könnte 2015 in der Liste der wichtigsten deutschen Abnehmerländer hinter Länder wie Tschechien und Schweden auf Rang 15 zurückfallen. Die deutschen Unternehmen zahlten in der EU mit Abstand den höchsten Preis der Sanktionspolitik. Betroffen seien vor allem mittelständische Betriebe aus Ostdeutschland.

Cordes zweifelt zunehmend am Sinn der EU-Strategie, Russland wirtschaftlich treffen zu wollen, um mehr Zugeständnisse im Ukraine-Konflikt von Moskau zu bekommen. Andere Länder seien die lachenden Dritten: „Die Wirtschaftsbeziehungen Russlands mit Deutschland und der EU schrumpfen, während sich Russland Partnern wie China, Indien oder Südkorea zuwendet“, sagte Cordes.

Linde-Chef Büchele folgt auf Cordes

Trotz der Sanktionen und einer schrumpfenden Wirtschaft habe Russland weiter einen ausgeglichenen Staatshaushalt, Währungsreserven von über 350 Milliarden Dollar und dazu einen mit 150 Milliarden Dollar gefüllten staatlichen Fonds.

Beim Ost-Ausschuss selbst steht bald ein Führungswechsel an. Ex-Metro-Chef Cordes gibt nach fünf Jahren im Herbst sein Amt an der Spitze auf. Nachfolger soll der Chef des Industriegase-Konzerns Linde, Wolfgang Büchele, werden. dpa

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