Wirtschaft : Weniger Filialen, mehr Effizienz

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Ein Aufschrei ging durch das Land, als die Post Mitte der 90er-Jahre den traditionellen Poststempel mit Ortsnamen weitgehend durch die anonymen Briefzentren ersetzte. Doch das Staatsunternehmen marschierte in großen Schritten in Richtung Börse, und die Sendungen in den Zentren zu stempeln, ist einfach effizienter. Für Nostalgie ist im Kerngeschäft des Ex-Monopolisten in spe schon lange kein Platz mehr: Einzelne Briefmarken gibt es nur noch an speziellen Schaltern, dafür dominieren Zehnerhefte mit Standardmarken – zum Beispiel aus neuen Automaten und natürlich auf Bestellung im Internet. Die Zahl der klassischen Filialen ist zudem zwischen 1995 und 2005 nach Post-Angaben von 14 000 auf 5700 gesunken – immer häufiger erhielten stattdessen Post-Agenturen die Versorgung in ländlichen Gebieten und Vororten aufrecht. Die Zahl der Briefkästen schrumpfte auf nunmehr 100 000.

„Der Kontakt der Post zu ihren Kunden hat sich verändert“, sagt Analyst Markus Hesse von der Privatbank Sal. Oppenheim. „Wer eine flächendeckende Versorgung mit eigenen Mitarbeitern gewährleisten will, braucht Heerscharen von Angestellten – das rechnet sich heute nicht mehr.“ Der Service leide darunter aber nicht, die Post sei da besser als vor 15 Jahren. „Die Rationalisierung bringt den Kunden vielfach Vorteile“, sagt auch ein Post-Sprecher und verweist auf Packstationen und Online-Dienste, die jederzeit verfügbar sind.

Dennoch wird es den bislang üblichen Voll-Service in allen Filialen und Agenturen nach Vorstellungen der Post in Zukunft wohl nicht mehr geben. In 300 Vertriebsstellen, etwa Bäcker und Kioske, testet das Unternehmen ein Angebot ohne wenig nachgefragte Leistungen wie Nachnahme und Ausgabe lagernder Sendungen – ein Zukunftsmodell für die Zeit nach dem Ende des Monopols. Gleichzeitig schreitet die Automatisierung weiter voran. In Köln testet die Post die nächste Generation von Service-Maschinen: Drei Briefstationen nehmen vollautomatisch unter anderem Einschreiben und Nachnahmesendungen von Geschäftskunden entgegen. Die Station berechnet das Porto und druckt es auf der Sendung aus. nso

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