Wirtschaft : Weniger Geld in der Weihnachtskasse

In der Industrie tariflich gesenkt, im öffentlichen Dienst eingefroren

BERLIN (mot/Ha).Rund 80 000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg werden in diesem Jahr weniger Weihnachtsgeld erhalten.Nach Auskunft des Branchen-Verbandes sind 350 Mitgliedsfirmen von der tarifvertraglich vereinbarten Kürzung betroffen.Der im letzten Tarifabschluß der Branche fixierte Ausgleich für die volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sieht eine fünfprozentige Reduzierung des Weihnachtsgeldes vor.Statt zwischen 30 und 60 Prozent des letzten Einkommens werden in diesem Jahr zwischen 25 und 55 Prozent gezahlt.Kürzungen beim Weihnachts- oder Urlaubsgeld würden von den Beschäftigten im Schnitt eher akzeptiert als generelle Einbußen bei den Löhnen, betont Klaus-Hubert Fugger, Sprecher des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg.Dies sei in Umfragen "demoskopisch getestet". Die Siemensianer werden die fünfprozentige Kürzung kaum spüren.Da nach Auskunft von Unternehmenssprecher Enzio von Kühlmann-Stumm eine andere Bemessungsgrundlage als 1996 angewendet wurde, macht sich die Senkung im Portemonnaie kaum bemerkbar."Wir haben uns an den Tarif gehalten und werden uns auch weiter an den Tarif halten", sagt Kühlmann-Stumm.Voraussetzung für die Gratifikation ist bei Siemens eine dreijährige Zugehörigkeit.Zwei Beispiele: Eine Montiererin in der Lohngruppe 3 kommt mit 2629 DM Grundlohn plus Leistungszulage auf insgesamt 3155 DM brutto im Monat.Für Weihnachtsgeschenke gibt es extra 1735 DM.Ein Angestellter der Gehaltsgruppe 4 kommt mit Zulagen auf 4500 DM, Weihnachten kommen 2475 DM dazu.Und kaum ist das neue Jahr angebrochen, verteilt Siemens erneut Präsente: die freiwillige "Jahreszahlung".Wer sieben Jahre oder länger im Unternehmen ist, dem werden im Februar zwischen 900 und 1500 DM ausgezahlt.Noch orientiert sich die Jahreszahlung an der Dividende, die Berechnung soll jedoch auf einen "Unternehmensfaktor" umgestellt werden. Daß sich die Metallarbeitgeber künftig noch mehr Flexibilität bei den jährlichen Sonderzahlungen erhoffen, unterstrich Gesamtmetall in der vergangenen Woche in seiner "Frankfurter Erklärung zur Reform des Flächentarif".Darin wird unter anderem gefordert, etwa das Weihnachtsgeld an den Erfolg oder Mißerfolg des Unternehmens zu koppeln.Einschließlich Urlaubsgeld und vermögenswirksame Leistungen seien durchschnittlich rund 10 Prozent des Jahreseinkommens eines Metallers davon betroffen, rechnete Gesamtmetall-Chef Werner Stumpfe vor. Gegen den Trend bei der Weihnachtsgeldzahlung verfährt der Berliner Einzelhandel in diesem Jahr.Auf der Grundlage der 96er Tarifvereinbarungen zum neuen Ladenschlußgesetz werden die Sonderleistungen 1997 erhöht: Im Westen der Stadt werden 62,5 statt 60 Prozent eines Monatseinkommens gezahlt, im Osten sind es 50 Prozent, 2,5 Prozent mehr als in den neuen Bundesländern."Wir stehen zu den Vereinbarungen, sind aber gleichwohl nicht glücklich, daß sich die Kosten erhöht haben", kommentiert Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes des Einzelhandels."Den Unternehmen geht es schlecht." Die meisten Einzelhandels-Beschäftigten werden die Sonderzahlung freilich kaum bemerken."In der Regel ist die Zulage über das Jahr mit anderen außertariflichen Leistungen verrechnet worden", erklärt Busch-Petersen. 50 DM mehr bekommen in diesem Jahr die Angestellten im Hotelgewerbe.Über 665 DM dürfen sich in diesem Jahr alle Mitarbeiter ­ vom Diener bis zum Direktor freuen. Alle die, die ihr Geld vom Land bekommen, Arbeiter, Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst, werden auf gleicher Grundlage bedacht.Und die wächst seit vier Jahren nicht mehr.1993 ist das Weihnachtsgeld in Berlin auf dem DM-Betrag diesen Jahres eingefroren worden.1997 gibt es im Westen deshalb nur noch 94 Prozent und im Osten 70 Prozent eines Monatslohnes.1993 gab es im Westteil der Stadt noch volle 100 Prozent, im Ostteil 75 Prozent.Von diesem Einfrieren sind 262 000 Berliner betroffen ­ vom Straßenkehrer bis zum Professor.

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