Wirtschaft : Weniger ist mehr

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Von Heike Jahberg

Eine weitere Hiobsbotschaft für die Kunden: Wer eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, wird im nächsten Jahr weniger Zinsen kassieren als bislang. Fast alle Unternehmen kürzen die Gewinnbeteiligung ihrer Versicherten – zum Teil kräftig. Statt 5,3 Prozent wie in diesem Jahr wird die Marktführerin Allianz Leben ihren Kunden 2004 nur noch 4,5 Prozent gut schreiben – und gibt damit auch für die Konkurrenten die Richtung vor.

Keine Frage: Die goldenen Jahre sind vorbei. Die Lebensversicherer, schwer gebeutelt von Börsenkrise und Kapitalmarktflaute, halten das Geld zusammen. Geschockt von der Insolvenz der Mannheimer Leben, deren Kunden von der brancheninternen Rettungsgesellschaft Protektor aufgefangen werden mussten, sind die Versicherungsgesellschaften vorsichtiger geworden. Eine weitere Pleite kann sich die Branche nicht leisten.

Die Meldung von den sinkenden Überschussbeteiligungen ist daher nur auf den ersten Blick eine Hiobsbotschaft. Tatsächlich steckt hinter der Entscheidung von Allianz und Co. eine vernünftige Strategie. Die Versicherer können nicht mehr ausschütten als sie selbst erwirtschaften. Das ist eine Binsenweisheit, aber viele Gesellschaften haben diese Regel in den Zeiten des Börsenbooms aus den Augen verloren. Die Unternehmen haben Milliarden an den Kapitalmärkten verloren – Geld, das nicht ihnen gehörte, sondern den Kunden. Von der Börseneuphorie geheilt, stecken die Versicherungen den Löwenanteil der Prämien jetzt wieder in festverzinsliche Wertpapiere. Die bringen zwar weniger, sind aber sicherer.

Den Verbrauchern dürfte das recht sein. Ihnen ist bei der Vorsorge fürs Alter eine niedrige, aber kalkulierbare Rendite lieber als waghalsige Finanzgeschäfte mit ungewissem Ausgang. Aber: Etwas Gewinn sollte schon herausspringen. Doch der könnte noch weiter sinken. Denn wenn die Regierung – wie geplant – bei neuen Policen künftig die Erträge voll besteuert, bleibt den Kunden unterm Strich deutlich weniger übrig. Das macht die Policen unattraktiv. Was der Börsencrash nicht geschafft hat, könnte Finanzminister Hans Eichel gelingen – den Kunden die Lebensversicherung vermiesen.

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