Wirtschaft : Weniger Mitarbeiter, kleinere Autos

Die US-Tochter soll 2008 wieder Gewinn machen. Trotz der Probleme erhöht der Konzern das Ergebnis auf 5,5 Milliarden Euro

Alfons Frese

Berlin - Mit der Schließung einer Fabrik, dem Abbau weiterer Stellen und sparsamen Autos will die Chrysler Group bis zum Jahr 2008 ihre Krise überwinden. Der Daimler-Chrysler-Vorstand stellte am Mittwoch im Rahmen der Bilanzpressekonferenz in Auburn Hills ein Sanierungsprogramm vor. Dazu zählen ein Kapazitätsabbau in Nordamerika sowie Milliardeninvestitionen in neue Motoren und Getriebe, die den Verbrauch reduzieren sollen. Ferner will Chrysler verstärkt Kooperationen eingehen, um Kosten zu senken. Alles in allem ist das Programm auf drei Jahre angelegt. Die Börse reagierte euphorisch, die Daimler-Chrysler- Aktie verteuerte sich um 4,6 Prozent.

Im vergangenen Jahr war die Chrysler- Group mit einem Verlust von 1,1 Milliarden Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Dieses Defizit wurde jedoch von den anderen Konzernsparten mehr als ausgeglichen. Alles in allem kam Daimler-Chrysler 2006 auf ein operatives Ergebnis von 5,52 Milliarden (Vorjahr: 5,19 Milliarden) Euro. Besonders gut schnitt die Mercedes Car Group (MCG) ab, zu der neben Mercedes-Benz auch Smart und Maybach gehören. Die MCG verdiente 2,4 Milliarden Euro, nachdem es im Jahr zuvor noch einen Verlust gegeben hatte. Von der positiven Entwicklung profitieren 132 000 Mitarbeiter von Daimler-Chrysler in Deutschland: Sie bekommen mit dem April-Gehalt eine Ergebnisbeteiligung von 2000 Euro – doppelt so viel wie 2005. Wegen des gestiegenen Überschusses kam Daimler-Chrysler 2006 auf einen Gewinn je Aktie von 3,16 (Vorjahr 2,80) Euro. Die Dividende soll unverändert 1,50 Euro betragen.

Für das laufende Jahr hielt sich der Vorstand bei der Vorlage der Bilanz 2006 mit einer konkreten Prognose zurück, doch sollte „Daimler-Chrysler die Ertragskraft im Planungszeitraum 2007 bis 2009 deutlich steigern können“. Ob das klappt, hängt vor allem an Chrysler. Der Sanierungsplan sieht bis 2009 „ergebnisverbessernde Maßnahmen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro“ und dann eine Umsatzrendite von 2,5 Prozent vor. In neue Motoren, Getriebe und Achsen sollen 2,3 Milliarden Euro investiert werden. Das bildet die Grundlage „für die Produktoffensive mit mehr als 20 neuen und 13 modellgepflegten Fahrzeugen bis 2009“.

Ferner kalkulieren die Chrysler-Sanierer mit geringeren Materialkosten (minus 1,15 Milliarden Euro) und der Verringerung der Produktionskapazität um 400 000 Autos pro Jahr; im vergangenen Jahr verkaufte die Chrysler Group 2,65 Millionen Autos. Die Streichung von Schichten in verschiedenen Werken sowie schließlich die Stilllegung des Montagewerks in Newark (US-Bundesstaat Delaware) führt zum Abbau von 13 000 Arbeitsplätzen. Vor allem für den Stellenabbau rechnet Daimler-Chrysler mit „bis zu einer Milliarde Euro“ Aufwand, davon 700 Millionen bereits in diesem Jahr.

„Valentinstag-Massaker“ nannten US- Journalisten die Chrysler-Sanierungspläne. Die US-Gewerkschaft der Arbeiter in der Automobilindustrie UAW befürchtet „verheerende“ Auswirkungen für die Arbeiter, deren Familien und die Standorte. „Chryslers jüngste Verluste gehen nicht auf das Konto von UAW-Mitgliedern, dennoch müssen sie leiden“, sagte UAW-Präsident Ron Gettelfinger. Anders klingt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler, Erich Klemm. Er warnte: „Wir wollten sicherstellen, dass der Kern von Daimler vor einem möglichen finanziellen Abwärtsstrudel der Chrysler Corporation geschützt werden kann.“ Es sei deutlich geworden, dass die Synergiepotenziale zwischen Mercedes- Benz und Chrysler begrenzt seien.

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