Wirtschaft : Weniger ostdeutsche Lehrstellen als im Vorjahr

LARS TÖRNE (lvt)

BERLIN .In den neuen Bundesländern wurden bisher weniger neue Lehrstellen für das neue Ausbildungsjahr, das im Herbst beginnt, besetzt als 1997.Im Handwerk sind bis Ende Juni 20 Prozent weniger Lehrverträge unterschrieben worden.Industrie- und Dienstleistungs-Unternehmen melden einen Rückgang um zwei bis drei Prozent.Noch zeigen sich Vertreter der Wirtschaftsverbände aber optimistisch, in den kommenden Monaten zumindest das Niveau des Vorjahres halten zu können.Dazu sollen auch die neuen Ausbildungsberufe in High-Tech-Firmen beitragen.Alleine im vergangenen Jahr haben etwa 6000 junge Leute bundesweit eine Lehre in einem der neuen Berufe in den Medien und der Informationstechnik begonnen.

Der Mangel an Lehrstellen ist auch in diesem Jahr vor allem im ostdeutschen Handwerk zu spüren.Während im Westen das Angebot weiter zunehme, versuche der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), in den neuen Bundesländern einen Rückgang aufzuhalten.Das sagte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer am Freitag in Berlin.Zuvor hatten Spitzenorganisationen der Wirtschaft, Vertreter von Bundes- und Landesministerien und der Bundesanstalt für Arbeit die Lehrstellensituation in Ostdeutschland beraten.Im Handwerk sind Schleyer zufolge bisher ein Fünftel weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als vor einem Jahr.Bis Ende Juni hätten die Betriebe nur etwa 10 000 neue Ausbildungsverträge unterschrieben, so Schleyer.Vor einem Jahr seien es noch 12 000 gewesen.Der Rückgang ist nach Angaben von Schleyer vor allem auf die Schwierigkeiten des Bau- und Ausbauhandwerks in Ostdeutschland zurückzuführen.Der Handwerks-Präsident kritisierte allerdings auch die mangelnde Bereitschaft mancher Jugendlicher, sich in ihren Orts- und Berufswünschen nach dem Angebot zu richten.Er sagte, wer ausbildungswillig und -fähig sei, bekomme auch einen Ausbildungsplatz angeboten.Auch bei den Betrieben in Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe ist zum 30.Juni die Zahl der neu vermittelten Ausbildungsplätze niedriger gewesen als im Vorjahr.Die Unternehmen hätten bisher etwa zwei bis drei Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen, sagte der Hautgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Franz Schoser.Der Rückgang sei vor allem in den Branchen Handel, Gastronomie, aber auch in Teilen der Bauwirtschaft zu spüren.Gleichzeitig gebe es vor allem in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe viele offene Stellen.Er gehe davon aus, daß bis zu Beginn des Lehrjahres die Betriebe sogar 1000 mehr Ausbildungsplätze anbieten als im Vorjahr und etwa 64 000 Ausbiludngsplätze anbieten werden.Dazu tragen Schoser zufolge auch die vielen neuen Berufe in der Informations- und Telekommunikation und in den Medien bei.Schoser appellierte an die Länder, die finanzielle Förderung zusätzlicher betrieblicher Ausbildungsplätze und der Ausbildungsverbünde unverändert fortzusetzen.Trotz des Rückgangs an Ausbildungsverträgen zeigten sich die Wirtschaftsvertreter "verhalten optimistisch, mit verstärkten Anstrengungen die Ausbildungszahlen des Vorjahres zu erreichen", so Handwerkssekretär Schleyer.Die vorliegenden Zahlen seien nur ein vorläufiger Eindruck und keine abschließende Bilanz.Nach einer Umfrage bei den Kammern erwarte er, daß die ostdeutschen Handwerksbetriebe bis zum Herbst rund 50 000 neue Ausbildungsverträge abschließen, ebenso viel wie im Vorjahr.Seine "recht optimistische Prognose" für die Ausbildungsberufe in Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe stützte DIHT-Geschäftsführer Schoser darauf, daß die Bundesregierung zugesagt habe, ihre Fördermittel bis zum Jahr 2001 weiterzuzahlen.Abschließend appellierten die Teilnehmer der Beratung an die ostdeutschen Betriebe, stärker als bisher Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen."In den neuen Bundesländern sind 46 Prozent aller Betriebe ausbildungsberechtigt - aber nur 30 Prozent der Unternehmen bieten eine Ausbildung an", kritisierte Manfred Leve von der Bundesanstalt für Arbeit.

BERLIN.Der Boom in der Informationstechnologie (IT) und bei den neuen Medien zahlt sich inzwischen offenbar auch für die Auszubildenden aus.Sieben neue Ausbildungsberufe wurden hier im vergangenen Jahr eingerichtet, vom Informatikkaufmann bis zur Mediengestalterin.Etwa 6000 junge Leute haben seitdem nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums eine Lehre in einem der Medien- oder IT-Berufe begonnen.Das sagte Michael Simella vom Bundeswirtschaftsministerium kürzlich bei einem Besuch in Berlin.Für das im Herbst beginnende neue Lehrjahr erwarte er, daß sich die Zahl der High-Tech-Azubis noch einmal stark erhöht.Allein im IT-Bereich rechne er damit, daß die Unternehmen 8000 neue Ausbildungsverträge abschließen - doppelt so viel wie im vergangenen Jahr."In den kommenden drei, vier Jahren werden 25 000 neue Ausbildungsplätze entstehen".Das liege auch an den elf weiteren Ausbildungsberufen, die zu Beginn des Lehrjahres 1998/99 angeboten werden.Damit reagiere das Bundeswirtschaftsministerium auf Entwicklungen der Wirtschaft und sichere den Rahmen für eine zukunftsorientierte Ausbildung, so Simella.In Berlin sind die neuen Ausbildungsberufe bisher "gut angenommen worden", wie Martin Rompf, Arbeitsberater bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), auf Anfrage sagte.Gerade der Berufe des "Fachinformatikers", den es bis zum vergangenen Jahr nicht gab, habe "eine echte Lücke gefüllt".Die IT-Berufe kommen nach Auskunft der IHK bei den Arbeitgebern und bei den Auszubildenden gut an."Viele Betriebe fragen bei uns an und wollen Ausbildungsplätze in diesem Bereich einrichten." Rund 130 Azubis lassen sich nach IHK-Angaben derzeit in Berlin in einem der neuen IT-Berufe ausbilden.Branchenriesen wie Telekom oder Siemens hätten hier keineswegs das Monopol."Die überwiegende Zahl wird in kleinen Betrieben ausgebildet", so Simon.Er sieht hier ein Mittel gegen den Ausbildungsplatzmangel.Zwar seien manche der neuen Berufsbilder aus schon bestehenden hervorgegangen.Dennoch schätzt er, daß "unter dem Strich die Zahl der Ausbildungsplätze im High-Tech-Bereich durch die neuen Ausbildungsberufe verdoppelt wurde."

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