Wirtschaft : Weniger Pleiten bei großen Firmen

2005 waren Walter-Bau und Ihr Platz die Ausnahme

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Frankfurt am Main - In Deutschland haben in diesem Jahr deutlich weniger größere Unternehmen Insolvenz anmelden müssen: 2005 hätten lediglich sechs Betriebe mit mehr als 500 Mitarbeitern aufgegeben, darunter der Walter-Bau-Konzern und die Drogeriemarktkette Ihr Platz, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. 2004 waren 16 Großbetriebe insolvent, im Jahr 2003 sogar 18. In diesem Jahr sei auch insgesamt die Zahl der Unternehmen, die Insolvenzantrag stellten, um 3,5 Prozent auf rund 37 900 zurückgegangen.

Dramatisch gestiegen ist allerdings die Zahl der Verbraucher, die zahlungsunfähig sind. 66 400 Privathaushalte mussten Insolvenz anmelden, 35 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Dazu kommen 32 000 Pleiten von Selbstständigen und anderen Gesellschaftsformen. Unter dem Strich ergibt sich mit rund 136 300 und einem Plus von 15 Prozent ein neuer Rekord an Insolvenzen. In Deutschland sind derzeit 3,1 Millionen Haushalte überschuldet, jeder zehnte Erwachsene steckt im Minus. Dabei ist die Situation in Berlin mit einer Quote von 14,7 Prozent besonders schlecht.

Ein Lichtblick, aber längst keine Trendwende sei die Entwicklung der Firmenpleiten, sagte Creditreform-Geschäftsführer Helmut Rödl. Angesichts der flauen Konjunktur rechnet er für 2006 mit bis zu 39 000 Insolvenzen. Die Zeit der Mega-Pleiten sei zwar vorbei, aber vor allem für die 2,5 Millionen Kleinbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern sei die Lage weiter schwierig. Der Grund: Eine zu dünne Eigenkapitaldecke, die häufig schlechte Zahlungsmoral und mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten bei Banken. Rund 563 000 Arbeitsplätze seien durch Pleiten verloren gegangen, 40 000 weniger als vor Jahresfrist. ro

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