Weniger Schnäppchen, mehr Suchmaschine : Groupon will neues Konzept auch in Europa

Rund 800 Menschen beschäftigt das Schnäppchenportal Groupon in Berlin. Als es nicht lief, feuerte das US-Unternehmen seinen Chef. Nun läuft alles besser - behauptet der neue.

Firmenschild in der Berliner Groupon-Niederlassung
In Berlin ist die größte Niederlassung außerhalb der USA.Foto: dpa

Die Geschichte der Schnäppchen-Website Groupon war bisher eine außergewöhnliche Achterbahnfahrt. Die Firma, die Rabattgutscheine über das Internet anbietet, schoss in wenigen Jahren von null zu Milliarden-Umsätzen hoch und verkaufte sich gern als „das am schnellsten wachsende Unternehmen aller Zeiten“ und Zukunft des Online-Handels.

Auf dem Höhepunkt der Euphorie sollen die Gründer ein sechs Milliarden Dollar schweres Kaufangebot von Google ausgeschlagen haben. Doch dann verhob sich der Überflieger bei der internationalen Expansion, fuhr immer wieder Verluste ein und säte in den Köpfen der Investoren Zweifel, ob das Geschäftsmodell überhaupt Bestand hat.

Alles wird gut, verspricht jedoch Mitgründer Eric Lefkofsky, der im Februar erst als Co-Chef für seinen gefeuerten Weggefährten Andrew Mason einsprang, und jetzt allein die Führung übernahm. Im Heimatmarkt Nordamerika laufe das Geschäft dank neuer Ideen und der Ausrichtung auf mobile Geräte, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Und wenn erst einmal die Infrastruktur aus den USA weltweit eingeführt sei, werde es überall aufwärts gehen. „Das ist eine zentrale Priorität für mich in diesem Jahr.“ Derzeit gebe es bei Groupon aber noch zwei Welten.
Bei Groupon kann man Rabattgutscheine etwa für Restaurants oder Dienstleister wie Schönheitssalons kaufen. Das Unternehmen behält etwa die Hälfte des Preises als Gebühr. Die Nutzer wurden anfangs per E-Mail-Newsletter über die Schnäppchen informiert - und so läuft das Geschäft zum Beispiel in Deutschland auch weiterhin.

In den USA hingegen will Groupon zu einer Art Suchmaschine für lokale Angebote werden. Die am Mittwoch veröffentlichten aktuellen Quartalszahlen geben Lefkofsky recht: In Nordamerika schoss der Umsatz um 45 Prozent nach oben, während das Geschäft im Rest der Welt schrumpfte.

Die Neuerungen aus dem US-Markt weltweit einzuführen, sei für ihn eine zentrale Priorität in diesem Jahr, betonte Lefkofsky. Der 43-Jährige kann mit vollem Recht als der neue starke Mann bei Groupon bezeichnet werden: Er ist nicht nur Firmenchef, sondern kontrolliert auch 17 Prozent der Anteile und gut ein Viertel der Stimmrechte.

Auch Lefkofsky ist nicht unumstritten

Lefkofsky hatte Gründer Andrew Mason die erste Million für dessen Idee eines Schnäppchen-Portals in die Hand gedrückt. Die beiden waren ein Team bis Mason nach abermals enttäuschenden Zahlen gehen musste.

Lefkofsky gibt sich ungerührt: „Hier ging es letztlich nicht um uns beide, sondern um mehr als 10.000 Mitarbeiter in rund 50 Ländern und das Wohl von Kunden und Aktionären. Es geht darum, wie stark dieses Unternehmen in zehn oder 20 Jahren sein wird.“

In Berlin beschäftigt das Unternehmen um die 800 Menschen. Es ist der größte Standort des Unternehmens außerhalb der USA. Erst im vergangenen Sommer hatte Mason selbst die neuen Räumlichkeiten am Hausvogteiplatz in Mitte eröffnet, wo das Unternehmen alle Berliner Mitarbeiter zusammengezogen hat.

Doch auch Masons Nachfolger ist alles andere als unumstritten. So werfen Kritiker Lefkofsky vor, auf dem Höhepunkt des Hypes 300 Millionen Dollar Kasse bei einer Finanzierungsrunde gemacht zu haben, und bezichtigen ihn, seine früheren Firmen hätten die Hoffnungen von Investoren enttäuscht.

Der 43-Jährige lässt diese Anschuldigungen jedoch abperlen: „Ich habe seit dem Börsengang keine einzige Aktie verkauft - auch als der Preis noch hoch war“, betont er. Und schließlich habe er die Chance gehabt, das ganze Unternehmen für einen Milliardenbetrag loszuwerden. „Aber wir glauben an unser Geschäft.“ (dpa)

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