Wirtschaft : Weniger Werbung in Zeiten des Krieges

Firmen verschieben Aufträge / Versandhandel legt zu

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Frankfurt (Main) / Berlin (ro/Tsp). Die Verbände der stark vom privaten Konsum abhängigen Werbewirtschaft und des Versandhandels sind nach einem schwierigen Jahr 2002 für das laufende Jahr gedämpft optimistisch. Die deutsche Werbebranche rechnet nach einem „Jahr der Agonie“ mit drastisch gekürzten WerbeEtats 2003 wieder mit einer „Normalisierung“ der Lage. „Wir sind in der Talsohle und sehen Licht am Ende des Tunnels“, sagte Holger Jung, Präsident des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen GWA.

2002 war der Umsatz der GWA-Mitgliedsfirmen um 1,8 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro gesunken, nachdem er in den beiden Jahren zuvor noch deutlich gestiegen war. „Damit sind wir noch glimpflich davon gekommen“, sagte Jung in Frankfurt. Sinkende Umsätze verbunden mit einem wachsenden Kostendruck hätten die Gewinne deutlich gedrückt. Die Zahl der Mitarbeiter sank um 1,3 Prozent auf rund 16 700. In diesem Jahr soll sie aber stabil bleiben, obwohl viele Agenturen weitere Kostensenkungen planen.

Wegen des Irak-Kriegs werden nach Angaben von Jung viele Aufträge verschoben. Mit einem starken Einbruch rechnet er allerdings nicht: „Die Werbebudgets sind ohnehin nicht üppig.“ Jung verweist darauf, dass sich die Firmen schon seit Herbst auf die Entwicklung im Irak eingestellt hätten. „Es gab eine planbare Situation, das ist völlig anders als bei den Terroranschlägen vom 11. September.“ Produkte und Dienstleistungen müssten weiter beworben werden.

Von den krisengeschüttelten Banken, Medien und Telekommunikationsfirmen erwartet die Werbebranche 2003 allerdings keine großen Impulse. Positive Signale kommen von Nahrungs- und Genussmittelfirmen, aus dem Chemie- und Pharmasektor, dem Einzel- und Versandhandel sowie aus der Automobil- und Konsumgüterindustrie. Hier versprechen neue Produkte und ein verschärfter Wettbewerb nach wie vor gute Aufträge.

Der deutsche Versandhandel konnte sich im vergangenen Jahr erfolgreich gegen die Konsumflaute stemmen. Während der Einzelhandel ein deutliches Umsatzminus verzeichnete, legte der Versandhandel um 3,2 Prozent auf 21,3 Milliarden Euro zu. Im laufenden Jahr trübe die schlechte Wirtschaftslage die Erwartungen der Unternehmen, sagte Rolf Schäfer, Präsident des Bundesverbandes des deutschen Versandhandels. Die Branche erwartet nur noch ein Umsatzplus von 0,7 Prozent. Sie liegt damit aber weiter besser als der Einzelhandel, der mit einem weiteren Umsatzrückgang rechnet.

Der Anteil des Versandhandels am Einzelhandel stieg 2002 auf den Rekordwert von sechs Prozent. Den Erfolg führte Schäfer vor allem auf den steigenden Online-Handel und bessere Serviceleistungen zurück, insbesondere die direkte, häufig kostenfreie Lieferung nach Hause. Der elektronisch erzielte Umsatz der Versandhändler stieg im vergangenen Jahr auf 2,7 Milliarden Euro und erreichte damit einen Anteil von 13 Prozent am Gesamtumsatz. Bis 2010 erwartet die Branche einen Internetanteil von 20 Prozent.

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