Wirtschaft : Wenn 300 Millionen Euro nicht auffallen

Das Management des Marktführers soll am Betrug beteiligt gewesen sein / Banken warnen vor Panik

Sebastian Bickerich,Henrik Mortsiefer

Berlin - Nach der Pleite des größten deutschen Geldtransporteurs Heros haben sich Bundesbank, Geschäftsbanken, und Transportfimen am Dienstag bemüht, die Bargeldversorgung in Deutschland aufrechtzuerhalten. In einigen Fällen konnte nur eine Notversorgung gewährleistet werden. Nach Angaben der Bundesbank besteht allerdings „kein Grund zur Panik“. Die befürchteten Engpässe bei der Geldversorgung seien nicht eingetreten. „Die Verbraucher müssen keineswegs schnell zur Bank“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Auch Geschäftsbanken sprachen von „business as usual“.

Einige Banken und Einzelhändler ergriffen aber Notfall-Maßnahmen und wichen auf Heros-Konkurrenten aus. Das Unternehmen war nach eigenen Angaben für 50 Prozent aller Transporte in Deutschland verantwortlich. Auch die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) teilte auf einer Pressekonferenz mit: „Die Versorgung mit Bargeld ist gesichert.“ Heros habe nur etwa zehn bis zwölf Prozent der bundesweit 50 000 Geldautomaten bestückt. Bei der Abholung und Bearbeitung der Tageseinnahmen des Handels könne es aber zu Verzögerungen kommen, weil Heros dort einen Anteil von 60 bis 70 Prozent gehabt habe.

BDGW-Vize Hans-Jörg Hisam sagte dem Tagesspiegel, die Pleite habe seinen Verband „nicht überrascht“. Zugleich kritisierte er die Dumping-Preise von Heros, die „mit Seriosität nichts zu tun“ gehabt hätten. Heros habe in der Branche als „Einzelgänger“ gegolten und sich nicht den Qualitätsmaßstäben des Verbandes unterwerfen wollen. „Das rächt sich jetzt“, sagte Hisam. Branchenvertreter forderten eine stärkere Kontrolle der Transportfirmen: „Der Fall Heros muss die Bankenaufsicht beschäftigen“, sagte der Vorstand eines Geldtransporteurs. Die Unternehmen seien nicht mehr allein für die Logistik zuständig. „Die Banken übertragen uns immer mehr Aufgaben als Finanzdienstleister.“

Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft haben Heros-Manager offenbar jahrelang Kunden betrogen und insgesamt 300 Millionen Euro unterschlagen, um die Expansion des Unternehmens sowie Dumping-Preise zu finanzieren. Dabei sollen sie ein „Schneeballsystem“ aufgebaut haben, das die Staatsanwaltschaft nicht näher beschrieb. „Bei der Weiterleitung von Tageseinnahmen vergeht Zeit und passieren Fehler“, sagte ein Insider. „Das fällt häufig über einen langen Zeitraum nicht auf – zumal die Kunden oft zu lax kontrollieren.“ Zwei Heros-Spitzenmanager sowie zwei weitere Verdächtige seien festgenommen worden, teilte Staatsanwalt Peter Aldenhoff mit. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, einer der Verdächtigen stamme aus Frechen und sei für die Heros-Tochter Nordcash tätig gewesen. Im Frechener Vereinsleben gelte er als „spendabler Lebemann“.

Die Heros-Gruppe mit 4000 Mitarbeitern musste am Montag Insolvenz beantragen. Betroffen sind die Heros Verwaltungs GmbH sowie 23 Töchter – darunter auch eine Niederlassung in Potsdam mit 200 Mitarbeitern. Der Geschäftsbetrieb lief am Dienstag weiter. Eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Manuel Sack sagte, man werde „versuchen, die Betriebsfortführung zu gewährleisten“.

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