Wirtschaft : Wenn aus Profitgier Verlustangst wird An der Börse zeigt der

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Wenn der Homo Oeconomicus an die Börse geht, dann gibt er der Wissenschenschaft Rätsel auf: Er hat Angst. Normalerweise nehmen die Ökonomen an, der wirtschaftende Mensch handele rational und kenne keine Gefühle. Verfolgt man allerdings die Aktienkurse seit 1999, so scheint diese Annahme auf dem Parkett nicht mehr haltbar. Getrieben von der Profitgier der Anleger wurden die Börsen zuerst auf ein Niveau gehoben, das mit vernünftigen Bewertungsmustern nicht mehr zu erklären war. Anschließend stürzte sich die Finanzwelt in ein Tal der Tränen, aus dem sie bis heute nicht wieder herausgefunden hat. Aus der nachvollziehbaren Korrektur der Übertreibungen ist nun nackte Angst vor neuen Betrugsfällen geworden. Die Folge: Positive Nachrichten werden an der Börse nicht mehr registriert, negative dagegen überbewertet. Der Dax hat sich so seit dem Frühjahr 2000 halbiert, der Neue Markt mehr als 90 Prozent verloren. „Die entstandenen Aktienkurse sind nur zum Teil objektiv“, sagt Martin Weber, Finanzwissenschaftler an der Uni Mannheim. Wie so oft folgen die Investoren dem Herdentrieb. „Selbst wenn ich als Anleger anderer Meinung bin, schließe ich mich im Zweifel der Mehrheit an“, sagt Weber. „Und die hat im Moment Angst.“ Ein Ansatz der Finanztheorie (Behavioral Finance) analysiert die systematischen Verzerrungen am Markt und versucht, Strategieen für die Geldanlage abzuleiten. Mit Erfolg.

Doch die wenigsten Anleger wissen aus diffusen Ängsten Kapital zu schlagen. „Die Ohnmacht lässt das Gefühl aufkommen, ein Märtyrer zu sein“, sagt Winfried Panse, Professor an der Fachhochschule Köln und Autor des Buches „Kostenfaktor Angst“. Wer Angst habe, das Erreichte zu verlieren, handele oft kopflos – und verliere so erst recht. Verlustangst kennen aber auch die Experten. Viele Analysten, sagt Panse, hätten zu lange an Empfehlungen festgehalten und nach dem Absturz ihren guten Ruf verloren. mot

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