Wirtschaft : Wenn Blasen platzen

Selbst Experten tun sich mit Ölpreisprognosen schwer

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Die Entwicklung des Ölpreises gibt selbst Experten Rätsel auf. Obwohl die OpecLänder Ende März eine Kürzung ihrer Fördermengen für das zweite Quartal beschlossen, stiegen die Rohölpreise an den Spotmärkten. Die Lage im Irak und die wachsende Nachfrage in den USA beendeten den Abwärtstrend später.

Auftrieb gaben dem Preis vor allem Spekulanten, die nicht mehr in den Rohstoff Öl selbst investieren, sondern in zahlreiche so genannte Derivate, also Wertpapiere, die am Terminmarkt gehandelt werden. Den Spekulationsaufschlag pro Barrel Öl (das sind 159 Liter) beziffern Opec-Vertreter nach Angaben des Hamburger Welt-Wirtschafts-Archivs Ende März auf fünf Dollar – inzwischen dürfte der Betrag deutlich höher liegen. Was bewegt also den Ölpreis wirklich? Und wie entwickeln sich die Preise in der Zukunft?

Der Ölpreis steigt:

Die schon jetzt angespannte Versorgungslage in den USA spitzt sich im Aufschwung weiter zu. Gleichzeitig steigt die Weltölnachfrage, weil Boomregionen – etwa die asiatischen Schwellenländer – schneller wachsen als erwartet.

Die Krisen im Irak, in Nigeria oder Venezuela verschärfen sich und vergrößern die Unsicherheit über die Ölexporte dieser Länder. Einer der wichtigsten Öllieferanten der Welt, Saudi-Arabien, gerät zudem in das Visier von Terroristen.

Die Feriensaison in den USA und Europa beginnt Ende Mai. Dann wächst die Nachfrage nach Kraftstoffen, deren Preise schon jetzt schneller steigen als die des Rohöls selbst.

Anschläge auf wichtige Pipelines oder die Behinderung des Seetransportes unterbrechen den internationalen Ölfluss.

Weitere Mineralölkonzerne wie gerade erst Shell korrigieren ihre firmeneigenen Erdölreserven nach unten und heizen damit die Spekulation an, dass Öl bald knapper werden könnte.

Der Ölpreis sinkt:

In den Wintermonaten ist die Nachfrage nach Ölprodukten besonders hoch. Die jahresübliche Entspannung im Frühling und im Sommer kommt noch, in diesem Jahr wegen der politischen Unsicherheiten mit Verspätung.

Die Spekulationsblase platzt, weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Rohöl gar nicht knapp wird und deshalb auch kein Anlass zu spekulativen Preissteigerungen besteht.

China fällt als einer der Preistreiber auf dem Ölmarkt aus, weil der jahrelange Wirtschaftsboom ins Stocken gerät. Der Weltmarkt schwimmt plötzlich in Öl.

Die Opec hat kein Interesse an explodierenden Preisen. Das Kartell kurbelt die Förderung kräftig an. Öl ist nicht mehr knapp, die Preise sinken. fo/mot

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