Wirtschaft : Wenn der Gebührenzähler nicht mehr tickt

Ab Dienstag gelten die neuen Tarife der Telekom: Gegen Aufpreis gibt es Freiminuten – doch Nachrechnen lohnt sich

Corinna Visser

Berlin - Davon träumen Dauertelefonierer: Stundenlang mit der Nachbarin die neuesten Gerüchte austauschen, ohne dass der Gebührenzähler tickt. Was einige Konkurrenten schon anbieten, wird jetzt auch bei der Deutschen Telekom möglich: Der Kunde zahlt einmal im Monat eine Pauschale (9,95 Euro) zusätzlich zum monatlichen Anschlusspreis und kann im Ortsnetz so lange telefonieren, wie er will – ohne weitere Gesprächskosten. „XXL Local“ heißt die Tarifoption, die man ab dem 1.März nutzen kann.

Sie ist Teil der Tarifreform der Telekom, die am Dienstag in Kraft tritt. Die neuen Preise gelten für alle, die jetzt einen neuen Anschluss buchen – oder in einen der neuen Tarife wechseln wollen. Die Telekom verspricht mit der Reform in Teilbereichen Einsparungen von bis zu 75 Prozent. Doch Konkurrenten sagen, diese Werbung sei irreführend, weil sie verschweige, dass zugleich der monatliche Grundpreis steigt. Und: „Die Preise von Call-by-Call-Anbietern liegen immer noch um 30 bis 60 Prozent unter den Tarifen der Telekom“, sagt Tarifexperte Martin Müller von Teltarif. Bei Auslandsgesprächen sogar bis zu 90 Prozent. Wer regelmäßig die günstigsten Vorwahlnummern der Konkurrenz wähle und täglich nicht mehr als eine halbe Stunde im Ortsnetz telefoniere, komme daher mit Call- by-Call immer noch billiger weg.

Wichtig ist, dass „XXL Local“ nur im eigenen Vorwahlbereich gilt: Telefonate von Berlin (030) nach Potsdam (0331) etwa gelten hier nicht mehr als Ortsgespräch. Und auch wer sich über die Pauschale günstig ins Internet einwählen will, hat Pech: „,XXL Local’ gilt nur für Sprach- und nicht für Datenverbindungen“, sagt ein Telekom-Sprecher. Die Telekom führt eine schwarze Liste mit den Anbietern, bei denen man sich über Ortsnetznummern ins Netz einwählen kann. „Diese Datenverbindungen werden dann zum Ortstarif abgerechnet“, sagt der Telekom-Sprecher. Im Übrigen besagen die Geschäftsbedingungen, dass „XXL Local“ ein Angebot ausschließlich für Privatkunden ist. „Für Geschäftskunden haben wir andere Angebote“, sagt der Sprecher. Man werde jedoch keine Jagd auf Selbstständige und Kleinbetriebe machen, die die Privattarife auch geschäftlich nutzen.

Was sich sonst ändert: Alle Gespräche – auch Ortsgespräche – werden künftig im Minutentakt abgerechnet. Der Minutentakt ist fairer, weil genauer. Zum anderen lassen sich die Preise der Telekom nun leichter mit denen der Konkurrenz vergleichen. Künftig werden vier verschiedene Anschlüsse angeboten, bei denen man „XXL Local“ jeweils dazubuchen kann: Der Einsteigertarif heißt „Call plus“ und kostet 15,95 Euro als analoger und 23,95 Euro als ISDN-Anschluss. „Der neue analoge Anschluss ist 30 Cent teurer als der alte Standardanschluss, dafür sind die Minutenpreise etwas reduziert“, sagt Müller von Teltarif. „Wer also meist über Call- by-Call andere Anbieter nutzt, sollte seinen alten Standardtarif behalten.“ Kunden, die kein Call-by-Call nutzen und viel telefonieren, sollten dagegen in die neuen Tarife wechseln, rät Müller. Der Wechsel in die neuen Tarife ist für Bestandskunden kostenlos. Bei „Call plus“ kosten Ortsgespräche tagsüber 3,9 Cent, abends und am Wochenende 1,5 Cent pro Minute, Ferngespräche 4,9 beziehungsweise 2,9 Cent.

Gegen Aufpreis schließt der Anschluss „Call Time“ 120 Freiminuten für Verbindungen in Deutschland mit ein. Nicht genutzte Freiminuten verfallen, wenn der Monat vorbei ist. Wer den Anschluss „XXL“ wählt, zahlt am Wochenende und an bundesweiten Feiertagen für Gespräche innerhalb Deutschlands nichts. Bei Tarif Nummer vier, „XXL Freetime“, sind auch deutschlandweite Gespräche zwischen 18 und 7 Uhr mit dem monatlichen Grundpreis (29,94 Euro analog/37,95 Euro ISDN) bereits abgegolten. „Im Vergleich zu den Preisen der Wettbewerber muss man täglich mehr als 45 Minuten in der Nebenzeit telefonieren, damit sich XXL Freetime lohnt“, sagt Tarifexperte Müller.

Wer einen Tarifwechsel erwägt und zum Telefon- noch einen schnellen Internetanschluss (DSL) braucht, sollte die Tarife der Telekom auch mit den Preisen der Wettbewerber vergleichen (siehe Tabelle). Zu beachten ist, dass es bei allen Telekom-Konkurrenten derzeit zu erheblichen Wartezeiten kommt, bis neue Anschlüsse geschaltet werden können.

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