Wirtschaft : Wenn der Josef mit dem Peer und der Angela

Ackermann vor HRE-Untersuchungsausschuss

Carsten Brönstrup
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Foto: AFPDDP

Berlin – Es war mal wieder so ein Tag in Josef Ackermanns Leben, an dem es ausschließlich um Milliarden ging. Morgens musste er den Milliardengewinn der Deutschen Bank erklären, am späten Nachmittag in Berlin das Milliardenpaket, mit dem Banken und Staat im Herbst 2008 die Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) gerettet haben. Für seine Ausführungen interessierte sich der Untersuchungsausschuss des Bundestages – denn Ackermann gilt als Schlüsselfigur der Aktion. Hat er dabei den Staat über den Tisch gezogen? War die HRE-Rettung teurer als nötig? Haben die Emissäre des Bundes schlecht verhandelt, war das Chaos gar absehbar? Wenige Wochen vor dem Urnengang hatte vor allem die Opposition darauf gebrannt, vom bis dato wichtigsten Zeugen Wahlkampfmunition zu bekommen.

Doch den Gefallen mochte Ackermann ihr nicht tun. „Definitiv keine Alternative“ habe es zu der Rettung der HRE gegeben an einem Wochenende Ende September 2008. Sonst wäre kurz darauf das deutsche Bankensystem zusammengebrochen. Garantien über 35 Milliarden Euro verhinderten damals, dass die HRE in die Pleite rutschte. Heute ist sie fast vollständig in Staatshand, mehr als 100 Milliarden stützen sie. Doch es brauchte ereignisreiche Tage, bis es dazu kam.

An die erinnert sich Ackermann ziemlich gut. Und berichtet aufgeräumt, mit sonorer Stimme. Wie er erfahren habe, dass die HRE wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers kein Geld mehr von anderen Finanzhäusern bekam. Wie der Betrag, um die es ging, ständig stieg, von 15 auf am Ende 35 Milliarden Euro. Wie klar wurde, „dass es ohne den Staat nicht geht“, weil die fehlende Summe höher war als der Gewinn aller großen Banken zusammen. Und wie Privatbanken, Regierung, Bankenaufsicht und Bundesbank am Samstag und Sonntag hektisch nach einer Möglichkeit suchten, die HRE zu retten – wenige Stunden vor der Eröffnung der asiatischen Börsen.

Hätten die von der Schieflage erfahren, sagt Ackermann, wäre es für die gesamte Geldbranche eng geworden. Gegen Mitternacht habe schon niemand mehr an eine Lösung geglaubt – bis er nach Telefonaten mit Finanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel doch noch die Zusage des Staates bekommen habe. „Wir hatten noch Minuten, das zu erledigen“, schildert er die Dramatik des Augenblicks.

Er muss merkwürdig sein für Ackermann, dieser Auftritt. Zum einen muss er Details aus sensiblen Verhandlungen ausplaudern, normalerweise ein Unding für einen Top-Banker. Zum anderen muss er der SPD zur Seite springen, deren Spitzenleute Steinbrück und Asmussen unter Beschuss stehen. Ausgerechnet der SPD, die ihn seit Jahren angreift und beschimpft – wegen seinesVictory-Zeichens, seiner Marktgläubigkeit, seines Millionenverdienstes, seinem Renditeziel von 25 Prozent.

All das scheint vergessen an diesem Tag. Freundlich, fast stoisch beantwortet Ackermann alle Fragen. Nein, schlecht verhandelt habe der Staat in Person von Asmussen nicht. „Wenn man taktisch gespielt hat, hat man es sehr gut und sehr weit getrieben“, sagt er. Ob er die Kanzlerin über den Tisch gezogen habe? „Sicher nicht!“ Man habe doch ein Vertrauensverhältnis. Überhaupt will Ackermann der Regierung nicht an den Karren fahren. Von Steinbrück habe er eine hohe Meinung, mit ihm immer gut zusammen gearbeitet.

Am Ende, nach vier Stunden, fällt den Abgeordneten nichts mehr ein, wonach sie noch fragen können. Sie erkundigen sich nach Ackermanns Einschätzung zur Finanzkrise und zum Bankgeschäft allgemein. Die SPD frohlockt. „Herr Ackermann hat gezeigt, dass die Vorwürfe der Opposition an den Haaren herbeigezogen sind“, sagt ihre Obfrau Nina Hauer. Carsten Brönstrup

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