Wirtschaft : Wenn der Sommer teuer wird

Wer einen Unfall verursacht, muss für den Schaden geradestehen – Eltern haften für ihre Kinder, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzen

Andreas Kunze

Sommerzeit, das ist Unfallzeit: Mal rammt ein Skater einen Passanten, mal endet die Grillparty mit Verbrennungen, mal läuft ein Kind einem Ball hinterher – und löst eine Massenkarambolage aus. Die heiße Zeit beginnt erst dann, wenn um den Schadenersatz gestritten wird.

So unterschiedlich die Missgeschicke sein mögen: Wann jemand haften muss, hat der Gesetzgeber ziemlich genau geregelt. Voraussetzung ist ein Verschulden; allerdings gilt schon eine leichte Fahrlässigkeit als Schuld. Wer etwa gedankenverloren oder gar beschwipst den Grill des Gastgebers anrempelt und dadurch die glühenden Kohlen auf den Füßen der anderen Gäste verteilt, muss für den Schaden aufkommen.

Schnappt die Haftungsfalle zu, kann es für den Verursacher eines Unfalls teuer werden. Wer das geliehene Rad leicht verbogen zurückbringt, der kommt vielleicht mit ein paar hundert Euro Schadenersatz davon und kann den Schaden aus eigener Tasche bezahlen. Wer mit dem geborgten Rad aber einen Unfall mit mehreren demolierten Autos verursacht, weil ein Autofahrer für den unachtsamen Radler scharf bremsen musste, hat ein langfristiges Problem: War er nicht mit einer Haftpflichtpolice abgesichert (siehe Kasten), muss er bis ans Ende seiner Tage zahlen.

Erstaunt stellen hilfsbereite Menschen mitunter fest, dass sie selbst dann haften müssen, wenn sie einem Bekannten eine Freude machen wollten. Zum Beispiel, wenn sie die Hifi-Anlage des Nachbarn zur Grillparty in den Garten schleppen – und damit hinfallen. Grundsätzlich haften auch nette Helfer. Allerdings haben die Gerichte in einigen Fällen differenziert. Es würde schließlich jede Hilfsbereitschaft abwürgen, wenn jeder selbst für kleinste Fehler schwer büßen müsste. Typische Beispiele sind die private Umzugshilfe unter Freunden oder die Blumenpflege auf Nachbars Balkon, während der im Urlaub weilt. Kommt es dabei wegen leichter Fahrlässigkeit des blumengießenden Nachbarn zu einem Wasserschaden in der Wohnung, entfällt die Haftung, urteilte zum Beispiel das Amtsgericht Konstanz (Az: 5 C 608/ 93).

Die Richter unterstellen dabei, dass beide Seiten sich vorher stillschweigend auf einen Haftungsverzicht geeinigt haben. Das gilt aber nicht immer. Bei grober Fahrlässigkeit gibt es keine Nachsicht. Besonders viel Ärger droht, wenn Kinder im Sommer mal so richtig toben können. Machen die Kleinen dummes Zeug, kann es passieren, dass der Geschädigte leer ausgeht. Immer wieder kommt es zu Streitereien mit Haftpflichtversicherern, die Schäden von Kindern nicht regulieren wollen. Fakt ist: „Wer nicht das siebente Lebensjahr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich." So steht es im Gesetz. Kinder unter sieben Jahren können also nicht haftbar gemacht werden. Im Straßenverkehr gilt seit August vergangenen Jahres eine neue Altersgrenze von zehn Jahren.

Eltern müssen aufpassen

Selbst wenn das Kind in der Police seiner Eltern mitversichert ist, muss die Privathaftpflichtversicherung für jüngere Kinder nicht einspringen. Allerdings muss im nächsten Schritt geprüft werden, ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben (was wiederum versichert ist). „Ist ein Kind für einen Schaden wegen seines Alters nicht haftbar zu machen, sind ersatzweise die Aufsichtspflichtigen dran – in der Regel die Eltern", sagt die Düsseldorfer Rechtsanwältin Annette Mertens. Was Eltern tun müssen, um ihrer Aufsichtspflicht zu genügen, darüber gibt es zahlreiche Urteile. Lassen sie ein Kind unter acht Jahren allein mit einem Fahrrad in den Straßenverkehr, verletzen sie ihre Aufsichtspflicht, wenn sie in kritischen Situationen nicht mehr eingreifen konnten.

Mitunter schießen Eltern nach Schäden ein Eigentor, sagt Michael Kronenberg, gerichtlich zugelassener Versicherungsberater. „Da hat der Kleine Unfug gemacht, und die Eltern wissen genau, dass sie unvorsichtig waren“, sagt er. Um sich aber keine Blöße zu geben, flunkerten die Eltern in der Schadensmeldung bei der Versicherung. „Sie hätten alles Erdenkliche getan, um den Schaden zu verhindern, heißt es oft – und genau deswegen wird dann die Regulierung abgelehnt.“ Der Grund: Die Versicherung zahlt nur dann an den Geschädigten, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Ist das nicht der Fall, müssen sie nicht haften und die Versicherung nicht zahlen. Eltern sollten deshalb ihre möglichen Versäumnisse lieber nicht beschönigen.

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