Wirtschaft : Wenn der Techniker nicht kommt

Die Gewerkschaft bereitet Kunden auf Einschränkungen beim Service vor. Auch der G-8-Gipfel ist im Visier von Verdi

Nils-Viktor Sorge

Bonn - Die Gewerkschaft Verdi stimmt die Telekom-Kunden bereits auf Unannehmlichkeiten wegen des Streiks ein. „Wir hoffen auf Verständnis dafür, dass es an der einen oder anderen Stelle zu Störungen kommen wird“, sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder in Bonn. Während des Ausstandes würden weniger neue Anschlüsse freigeschaltet, Netzengpässe nicht sofort beseitigt und Störungen langsamer behoben. „Es kann sein, dass der bestellte Techniker nicht kommt“, sagte Streikleiter Ado Wilhelm.

Zum Auftakt wird die Gewerkschaft vor allem die Mitarbeiter in Westdeutschland zum Streik aufrufen, sagte Wilhelm dem Tagesspiegel. Aber entgegen erster Planungen will Verdi heute auch in Berlin und Brandenburg mit flächendeckenden Streiks beginnen – bei den rund 1500 Beschäftigten aus dem Bereich technische Infrastruktur. Sie verlegen vornehmlich Kabel bei Neubauvorhaben. „Durch die Streiks wird es bei Bauvorhaben zu Terminverzögerungen kommen“, sagte der örtliche Verdi-Funktionär.

Die Gewerkschaft richtet sich auf einen langen Arbeitskampf ein. „Wir haben die gesamte Organisation hinter uns, wenn es darum geht, durchzuhalten“, sagte Schröder. Unangenehme Folgen könnte der Ausstand für die Vorbereitungen des G-8-Gipfels Anfang Juni in Heiligendamm haben. „Wenn wir die Mitarbeiter der dortigen Niederlassungen in den Streik miteinbeziehen, kann dass Auswirkungen auf den Aufbau der Fernmeldeinfrastruktur für die Veranstaltung haben“, sagte Wilhelm. Er machte dabei deutlich, dass die Gewerkschaft keine Rücksicht auf wichtige Projekte der Telekom nehmen werde. Das gilt offenbar auch für Geschäftskunden, obwohl die zuständige Sparte T-Systems noch nicht von der Arbeitsniederlegung betroffen ist. Die streikenden Mitarbeiter der T-Com seien ebenfalls mit dem Service für Firmen betraut. „Wer glaubt, die Beschäftigten würden sich widerstandslos in eine unsichere Zukunft begeben, hat sich getäuscht“, sagte Gewerkschaftsmann Schröder. Insbesondere sei Verdi nicht bereit, die von der Telekom vorgesehenen Lohnkürzungen um neun Prozent hinzunehmen.

Bei den Arbeitszeiten zeigte er sich aufgeschlossener. Die von der Auslagerung betroffenen 50 000 Mitarbeiter sollen nach Vorstellungen des Telekom-Vorstands künftig 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten. Die Beschäftigten seien für Flexibilisierungen offen, sagte Schröder. Aber es sei ein neues Angebot nötig.

Auf mehr Geld können sich dagegen die 3700 Mitarbeiter bei Arcor freuen. Ihre Gehälter erhöhen sich um vier Prozent, teilte die Gewerkschaft Transnet mit. Die Vodafone-Tochter ist hierzu- lande der zweitgrößte Festnetzanbieter. Schröder sagte, es sei kaum zu vermitteln, dass ausgerechnet die Telekom einen „Unterbietungswettbewerb“ bei den Löhnen beginne.

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