Wirtschaft : Wenn die Feuerwehr Brennholz verkauft

Die Deutsche Bank hat der IKB riskante Kredite vermittelt, daran gut verdient und dann Alarm geschlagen

Stefan Kaiser

Berlin - Heinrich Haasis konnte seine Empörung nicht mehr zurückhalten. Er wundere sich darüber, dass man „Ratgeber für Brandschutzvorschriften wird, wenn man vorher zwar nicht das Feuer ausgelöst, aber doch ordentlich Brennholz gesammelt und gut daran verdient hat“, sagte der Sparkassenpräsident in dieser Woche bei einer Bankentagung in Frankfurt am Main . Wen er damit meinte, war wohl allen Zuhörern klar: seinen Vorredner Josef Ackermann.

Dessen Institut, die Deutsche Bank, soll jahrelang an Kredit-Geschäften verdient haben, die die Mittelstandsbank IKB vor wenigen Wochen an den Rand des Ruins gebracht haben. Davon redet Ackermann heute nicht mehr gerne. Mittlerweile gibt der Chef von Deutschlands größter Bank lieber den Mahner. Bei der Tagung in Frankfurt rügte er die eigene Branche für ihr Verhalten im Vorfeld der aktuellen Bankenkrise, die beinahe die IKB und die SachsenLB hinweggerafft hätte. Die Banken seien im Verhältnis zu ihrer Größe zu hohe Risiken eingegangen, konstatierte Ackermann und schob noch ein Lob für die eigene Rolle in der Krise hinterher: Wenn die Deutsche Bank Ende Juli nicht auf die Probleme bei der IKB hingewiesen hätte, wäre es zu „größten Verwerfungen“ am deutschen Finanzmarkt gekommen.

Haasis und einige andere in der Branche regt Ackermanns Doppelrolle in der Krise mächtig auf. Zwar wollen bisher weder die IKB noch die Deutsche Bank offiziell bestätigen, welche Geschäfte zwischen den beiden Banken gelaufen sind. Doch Insider sind sich sicher: Die Deutsche Bank habe der IKB und ihrer Zweckgesellschaft Rhineland Funding verbriefte Kreditforderungen amerikanischer Schuldner vermittelt. „Die Deutsche Bank war einer der großen Kreditvermittler“, heißt es in Finanzkreisen. Weil die IKB zu viele solcher Kredite anhäufte, geriet sie letztlich ins Schlingern.

Ein Beleg für die Verwicklung der Deutschen Bank in die Kreditgeschäfte der IKB ist ein Artikel im Londoner Finanzmagazin „Risk“ aus dem Jahr 2004, in dem die Experten die Geschäfte der IKB offenlegten. Die Bank galt schon damals als größter deutscher Kunde von Investmentbanken, die mit verbrieften Krediten handeln – darunter die Deutsche Bank. Das Modell der IKB stufte das Fachmagazin als „einzigartig riskant“ ein – weil mehr als die Hälfte der von ihr gehandelten Kredite keine erstklassigen Rating-Noten besaßen. Die Deutsche Bank soll laut Schätzung der Experten allein im Jahr 2003 rund 20 bis 30 Millionen Euro mit der IKB verdient haben.

Die Schuld für die Misere der IKB sehen die meisten Experten aber nicht bei der Deutschen Bank. „Das Verhalten von Herrn Ackermann ist auf den ersten Blick zwar eine zweischneidige Geschichte“, sagte Reinhard Schultz, Bankenexperte der SPD-Bundestagsfraktion dem Tagesspiegel. Verantwortlich seien aber die Banken, die solche Kredite kauften, in diesem Fall also die IKB. Stefan Kaiser

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