Wirtschaft : Wenn die Wirtschaft Politik macht Studie zu Kampagnen wie „Du bist Deutschland“

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Berlin - In Deutschland nehmen Wirtschaftsunternehmen durch Kampagnen immer stärkeren Einfluss auf politische Entscheidungen. Das ist das Ergebnis einer Studie der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr habe die Wirtschaft mehr als 30 Kampagnen finanziert. Grund für das wachsende politische Engagement der Wirtschaft sei, dass „Verbände immer schwächer werden und politische Parteien unklarer in ihrer Positionierung“, sagte der Politikwissenschaftler und Leiter der Untersuchung Rudolf Speth.

Diese neue Art von Stimmungskampagne werde „von klassischen Werbeagenturen entwickelt, die zunehmend auf das Feld der politischen Kommunikation drängen und Techniken der Produktwerbung auf die Politikwerbung übertragen“, sagte Speth. Dies könne eine Demokratie gefährden, wenn Politiker zukünftig nur noch wie Marketingexperten denken.

Oft sei für die Bürger nicht sofort erkennbar, wer die Kampagnen finanziere. Botschaften seien häufig ein „unbeschwerter Patriotismus“, der gegen Reformmüdigkeit angehe. Als Beispiele nannte Speth Kampagnen wie „Du bist Deutschland“, die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, „Land der Ideen“ und die „Stiftung Marktwirtschaft“.

Ob sich Deutschland durch solche Kampagnen wirklich verändern lässt, vermochte der Wissenschaftler nicht zu sagen. „Fest steht, dass die Deutschen im Vergleich zum letzten Jahr weniger pessimistisch sind“, sagte er. Ob das an der Fußball-Weltmeisterschaft, an Jürgen Klinsmann, der letzten Bundestagswahl oder an den neuen Kampagnen liege, könne man nicht messen. „Wir messen nur, wie viele Menschen eine solche Kampagne erreicht hat und nicht, ob diese sich durch so eine Initiative anders verhalten haben als vorher“, sagte Speth.

Die Macher von „Du bist Deutschland“ seien jetzt jedenfalls „so euphorisiert, dass sie eine Folgekampagne im Herbst planen“. Das bestätigte eine Pressesprecherin von „Du bist Deutschland“ dem Tagesspiegel. Welchen Appell diese neue Kampagne der Wirtschaft haben könnte, wollte sie nicht verraten. dal

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