Wirtschaft : Wenn es wirklich klappt

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Auch wenn kaum noch jemand davon spricht, möglich ist es: Griechenland kann gerettet werden – wenn alles, aber auch wirklich alles gutgeht. Wenn sich die Politiker auf ein neues Hilfspaket einigen, würden die Griechen erst einmal Zeit gewinnen. Sie könnten bis zum nächsten Jahr ihre Ausgaben weiter kürzen, Staatsbesitz privatisieren und das Steuer- und Sozialsystem gründlich reformieren. Wenn dann noch die Weltkonjunktur mitspielt und im nächsten Jahr weiter anzieht, könnte die griechische Wirtschaft auch wieder ordentlich wachsen – was höhere Steuereinnahmen zur Folge hätte. Der Haushalt könnte ausgeglichen werden, der Schuldenberg würde schrumpfen.

Solche Ergebnisse wiederum würden auch die Finanzmärkte davon überzeugen, dass Griechenland wieder kreditwürdig ist. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen würden sinken, das Land könnte sich am Kapitalmarkt wieder frisches Geld leihen und seine alten Schulden zurückzahlen.

In diesem Fall würde Deutschland nicht nur nichts verlieren, sondern sogar gewinnen. Denn die Zinsen, die Griechenland für die Hilfskredite zahlt, liegen über dem Satz, den Deutschland bezahlen muss, um sich das Geld zu leihen. Nach Angaben des Finanzministeriums hat die Bundesrepublik bisher schon 136 Millionen Euro plus gemacht.

Auch Europa würde Zeit gewinnen. Die Euro-Zone bliebe stabil, mindestens so lange, bis 2013 der neue europäische Rettungsschirm kommt. Über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) werden die Euroländer angeschlagenen Mitgliedsstaaten weiter Kredite und Garantien geben, aber nur unter strengen Auflagen und nur begrenzt. Für Deutschland liegt die Obergrenze bei 190 Milliarden Euro. Für den Fall einer Staatspleite soll eine Haftung der privaten Gläubiger festgeschrieben werden. Auch die Banken müssten dann auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Die Hoffnung der Politik: Wenn diese Bedingungen vorher allen klar sind, könnte dies die Kreditaufnahme der Staaten einschränken.

Björn Sänger, Finanzexperte der FPD-Fraktion, sieht die Chance für ein solches Szenario bei „60 Prozent“, vorausgesetzt, alle Partner von EU, IWF und EZB würden „konzentriert daran arbeiten“. Auch die Weltwirtschaft müsste mitspielen. „Zuallererst aber sind die Griechen selbst dran“, sagt Sänger. Das Land müsse beweisen, dass es wirklich sanieren will – und kann.

Danach sieht es zur Zeit aber nicht aus: Die griechische Bevölkerung protestiert vehement gegen den Sparkurs der Regierung, der Ministerpräsident hat seinen Rücktritt angeboten. Hinzu kommt: Bisher hat der Sparkurs die Wirtschaft nicht angekurbelt, sondern im Gegenteil beinahe erdrückt. Miriam Schröder

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