Wirtschaft : Wenn Notenbanken Kurse machen

DANIEL RHEE-PIENING

Wann immer die Wirtschaft eines Landes unter starken Druck gerät, wird über die Rolle der Notenbanken nachgedacht. Es liegt so nahe, die Geldpolitik für konjunktur- und wirtschaftspolitische Maßnahmen einzuspannen. Jüngst war das beim Euro so, als der Chefvolkswirt der Deutschen Bank forderte, Devisenreseren zu verkaufen, um die europäische Einheitswährung zu stabilisieren. Nun die Japaner: Die Notenbank in Tokio kaufte zu Wochenbeginn Dollars, um den Dollarpreis zu treiben. Die Aktion soll der japanischen Exportwirtschaft helfen, deren Entwicklung ein starker Yen bremst. Auf den ersten Blick hat die Notenbank sogar Erfolg. Der Kurs des Dollar steigt und dies gibt den Verfechtern von Notenbankinterventionen Rückenstärkung. Und trotzdem war die Intervention ein Fehler.

Milliarden Dollar, Euro und Yen werden rund um die Uhr rund um den Globus gekauft oder verkauft. Da sind die Devisenmarktinterventionen der Notenbanken - selbst wenn sie koordiniert sind und deshalb größere Summen bewegen - allenfalls ein Kampf Davids gegen Goliath. Zwar lassen sich die Händler kurzfristig beeindrucken. Aber eben nur kurzfristig. Mittel- und langfristig aber haben Deviseninterventionen gegen den Markt keinen Erfolg. Devisenaktionen der Notenbanken sind nur dann sinnvoll, wenn sie einen Trend verstärken. Einen Trend umzudrehen vermögen sie kaum. Auf diese Weise wird viel Geld verloren - und die wahre Aufgabe von Notenbanken verschleiert.

Ob eine Währung an Wert gewinnt oder verliert, darüber entscheidet die Wirtschaftspolitik einer Regierung. Ist diese Politik in den Augen der Anleger gut, können sich die Daten der wirtschaftlichen Entwicklung sehen lassen, fassen sie Vertrauen in die Währung und die Produkte eines Landes und kaufen sie. So einfach ist das.

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