Wirtschaft : Wenn sich Kraftwerke nicht lohnen

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Berlin - Im Jahr 2022 werden nach Einschätzung des Bundesverbands neuer Energieanbieter (BNE) Stromerzeugungskapazitäten in einem Umfang von etwa zehn Gigawatt fehlen. Beim derzeitigen Strompreisniveau lohne es sich aber nicht, neue flexible Gaskraftwerke zu bauen, die nur dann laufen sollen, wenn der Wind nicht weht, die Sonne nicht scheint, oder besonders viel Strom gebraucht wird. Damit die Kraftwerke trotzdem gebaut werden, hält der BNE die Schaffung eines Kapazitätsmarktes für notwendig. Dann würden die Kraftwerksbetreiber dafür bezahlt, dass sie die Anlagen vorhalten, nicht dafür, dass sie sie auch betreiben. Im Auftrag des BNE hat das Büro für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) Aachen in einer Studie erste Vorschläge dafür gemacht.

Auch die Bundesregierung geht von einer Kapazitätslücke von etwa zehn Gigawatt aus. Deshalb hat das Kabinett mit dem Energiekonzept ein Kraftwerksförderprogramm beschlossen. Mit Mitteln aus dem Energie- und Klimafonds soll der Bau neuer Gaskraftwerke mit rund einer halben Milliarde Euro subventioniert werden. In den Genuss dieser Förderung sollen Investoren kommen, deren Marktanteil nicht mehr als fünf Prozent beträgt. Baubeginn soll zwischen 2013 und 2016 sein. Wie das Förderprogramm genau aussieht, wird derzeit im Wirtschaftsministerium erarbeitet. Zweifel gibt es in der Regierung jedoch darüber, ob die Kapazität der derzeit im Bau befindlichen Kraftwerke nicht doch ausreicht, um das Stromnetz stabilzuhalten.

Dominik Nailis, Autor der am Mittwoch vorgestellten Studie, hält das geplante Förderprogramm nicht für ausreichend, um zehn Gigawatt Kraftwerksleistung aufzubauen. Das Ministerium hat unterdessen selbst eine Studie in Auftrag gegeben, um zu ermitteln, ob über das Förderprogramm hinaus die Schaffung eines Kapazitätsmarktes nötig sein könnte, damit in Deutschland die Lichter nicht ausgehen. Dagmar Dehmer

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