Wirtschaft : Wer hat Angst vor Haim Saban?

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Von Nicole Adolph

Im hollywoodreifen Verhandlungsdrama um den Verkauf von KirchMedia ist endlich der Vorhang gefallen: Haim Saban, bis vor kurzem eine Nebenfigur im Schauspiel, hat die bisherigen Hauptdarsteller mit viel Geld und Verhandlungsgeschick ausgestochen. Mit der Übernahme des Fernsehkonzerns ProSiebenSat1 beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des deutschen Privatfernsehens. Zum ersten Mal hat ein ausländischer Investor eine Schlüsselposition im deutschen Mediengeschäft erobert.

Das Risiko des Geschäfts ist der Investor selbst. Niemand in Deutschland kennt Saban, und niemand kennt seine Absichten: Ist er wirklich an der Zukunft der Sender interessiert – oder steigt er in ein paar Jahren wieder aus? Wird er die Bundesliga weiter bei Sat1 zeigen und damit finanzieren? Mit dem Zuschlag an Saban hat sich Kirch-Media für finanzielle Sicherheit, aber auch für inhaltliche Unsicherheit entschieden. Saban wird hier bald Klarheit schaffen müssen, wenn er die freien Aktionäre beruhigen will.

Unruhe wird es in den kommenden Monaten im deutschen Privatfernsehen ohnehin reichlich geben. Das verkrustete Duopol mit Bertelsmann und RTL auf der einen und Kirch mit Pro Sieben Sat 1 auf der anderen Seite ist aufgebrochen. Mit Saban zieht mehr Vielfalt und Internationalität ins deutsche Mediengeschäft ein. Dazu kommt, dass der Milliardär den unter der Werbeflaute leidenden Fernsehsendern besser unter die Arme greifen kann als die meisten europäischen Interessenten: Im Gegensatz zu ihnen hat er so viel Bargeld in der Kasse, dass er selbst Kirchs Filmbibliothek ausbauen kann. Das dürfte die Banken beruhigen – und den Fernsehzuschauer wird es freuen.

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