Wirtschaft : Wer in Metallaktien investiert, braucht Nerven wie Stahlseile

SANDRA SCHUFFELEN (hb)

Einstiegspreise für risikobereite AnlegerVON SANDRA SCHUFFELEN (hb)"Die Aktienkurse der Minengesellschaften haben die Talsohle nahezu erreicht.Damit ergeben sich schon in den nächsten Wochen attraktive Einstiegschancen für Investoren", erklärt John Syropoulo, Analyst bei HSBC James Capel, London.Tatsächlich sind die Kurse vieler Metallfirmen allein in den letzten Monaten teilweise um 50 Prozent und mehr gefallen.Die Aktie von Alcan Aluminium zum Beispiel notierte Mitte 1997 noch bei 40 Dollar, nach enttäuschenden Unternehmenszahlen im jüngsten Quartal steht sie mittlerweile bei 26 Dollar."Alcan ist damit stark unterbewertet und zählt aus unserer Sicht zu den Kaufkandidaten dieser Branche", sagt Michael Sones, Minen-Experte bei der französichen Großbank Paribas.Denn der amerikanische Aluminiumhersteller bleibt auf Wachstumskurs: Alcan will für 860 Mill.Dollar eine neue Schmelzhütte in Kitimat, Kanada, bauen.130 Mill.Dollar investiert das Unternehmen in eine Bauxit-Mine in Australien."Außerdem sind die Perspektiven für die Aluminiumbranche insgesamt besser als die anderer Metallhersteller", begündet Sones die Kaufempfehlung. Vor allem in Amerika und Europa sei die Nachfrage nach Aluminium hoch.Bei Kupfer und Nickel dagegen sei weiterhin mit sinkenden Preisen zu rechnen.Sones: "Das drückt auf die Margen der Unternehmen." So sieht das auch Axel Breil von der Bankgesellschaft Berlin, jedoch rät er zum jetzigen Zeitpunkt von jeglichen Engagements in Minengesellschaften ab: "Die Perspektiven sowohl für NE- als auch für Edelmetalle sind noch zu ungünstig.Anleger sollten noch einige Monate abwarten." Genauer gesagt: Zwei bis drei Monate.So zumindest die Einschätzung des Londoner Kollegen John Syropoulo.Zu seinen Favoriten zählen die US-Firma Alcoa, die Schweizer Gruppe Alusuisse-Lonza sowie Billiton, Großbritannien.Für die kommenden sechs bis zwölf Monate sieht die Bank Paribas außerdem Kurschancen für den französischen Nickel-Produzenten Eramet.Ebenfalls auf der Empfehlungsliste der Franzosen stehen die europäischen Titel Metaleurop, Pechiney und Lonrho sowie zwei Kupfer-Produzenten aus den Schwellenländern: in Polen KGHM, in Lateinamerika Grupo Mexico. Dazu Michael Sones: "Wenn man verrückt genug ist, in die Kupferbranche zu investieren, dann ist Grupo Mexico zweifellos einer der billigsten Titel." Selbst in Fernost hat Paribas niedrig bewertete Aktien entdeckt, etwa Hindustan Zinc, Nalco und Indal aus Indien sowie PT Inco, indonesische Tochter des gleichnamigen kanadischen Nickelproduzenten."Für Anleger aus Hartwährungsländern lohnt sich jedoch bei diesen Firmen der Einstieg nicht.Dazu ist das Verlustrisiko aufgrund von Währungsschwankungen zu groß", warnt der Londoner Paribas-Analyst Rajat Kohli.Zu den Verkaufskandidaten zählen Asarco, Falconbridge, Kaiser Aluminium, Outokumpu, Phelps Dodge, Reynolds, Rio Tinto und SPCC.Auch die spanische Asturiana de Zinc sei "nach wie vor viel zu teuer", so Kohli.Denn die Nickelpreise würden in diesem Jahr weiter sinken.Die starke Abhängigkeit von den Metallpreisen sei aber auch von Vorteil: "Kaum eine Branche hat ihre Produktionskosten so stark reduziert wie die Minengesellschaften.." In einem anderen Punkt sind sich die Analysten einig: Wer in Metallaktien investiert, muß Nerven wie Stahlseile mitbringen.

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