Wirtschaft : Wer in Rohstoffe investiert, braucht starke Nerven

Papiere eignen sich allenfalls als Beimischung für große Depots – Alternative sind Fonds

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Der rasante Anstieg der Rohölpreise hat auch Privatanleger hellhörig gemacht. Die Anlage in Rohstoffen, so scheint es, steht vor einem Comeback. Plötzlich wird wieder über Gold, Silber, Platin oder Kakao und natürlich über die Geldanlage in Öl geredet. So kommt auch der Anlegerdienst „Geldanlagebrief“ zu dem Ergebnis: „Wer sein Depot diversifizieren möchte, kommt an Rohstoffen kaum vorbei.“ Doch die Warnung folgt auf dem Fuße. Die „Kurs-Jo-Jos“ könnten zwar ein respektabler Renditebringer sein, doch sie setzen beim Anleger ein starkes Nervenkostüm voraus. Und, da sind sich alle Finanzleute einig, der Anleger sollte mindestens 500000 Euro in seinem Depot haben.

„Man braucht extrem gute Nerven“, sagt auch Stefan Schilbe, Chefvolkswirt beim Privatbankhaus HSBC Trinkaus&Burkhardt. Zudem sei die Anlage in Commodities, wie die Fachleute dazu sagen, sehr schwierig und risikoreich, weil die Märkte extrem schwankten.

Das Hamburger Privatbankhaus Berenberg Bank bietet seinen Kunden bereits seit mehreren Jahren auch die Anlage in Rohstoffen an. Zurückgegriffen wird dabei vor allem auf Zertifikate wie etwa des niederländischen Finanzkonzerns ABN-Amro. „Der Kunde sollte aber ein Depot von mindestens 500000 Euro haben, und auch dann ist eine solche Anlage nur als Beimischung, das heißt nicht mehr als drei bis fünf Prozent vom Depotvolumen, zu empfehlen“, schränkt Chefvolkswirt Wolfgang Pflüger ein. Bis ins erste Quartal 2004 hätten die Anleger mit diesen Anlagen auch beachtliche Gewinne erzielen können. Aber gegenwärtig ist es damit vorbei. „Insbesondere wegen der unsicheren Aussichten in China sollte man sich mit einem Neueinstieg Zeit lassen“, sagt Pflüger. Als besonders interessant betrachte Pflüger Investitionen in Palladium. Weil Platin so teuer sei, ersetze die Autoindustrie dieses Edelmetall zunehmend durch Palladium.

Stefan Mitropoulos von der Bankgesellschaft Berlin stellt noch aus einem anderen Grund die Frage, ob jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg ist. „Die großen Hedgefonds haben das schon lange gemacht und viel Geld verdient, da kommt der private Investor möglicherweise zu spät“, sagt der Aktienanalyst. Er rät eher zu Rohstofffonds, wie sie alle großen Investmentgesellschaften anbieten.

„Hochspekulativ“ nennt Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Privatbank M.M. Warburg, Anlagen in Rohstoffen. Allerhöchstens fünf bis sieben Prozent des Anlagevolumens sollten so investiert werden, und dann keinesfalls direkt an den Terminmärkten. „Der Anleger muss sich bewusst sein, dass die Schwankungen sehr viel dramatischer sind als etwa an den Aktienmärkten“, sagt Klude. Bei Warburg empfehle man allenfalls Rohstofffonds als Beimischung. Etwa einen großen Fonds von Merrill Lynch, der sich auch in der Vergangenheit sehr gut entwickelt habe.

Als gute Anlagemöglichkeit haben sich in der Vergangenheit auch Zertifikate erwiesen, die auf Rohstoffindizes wie etwa dem Goldman Sachs Commodity Index basieren. Der Index spiegelt seit 1970 die Preisentwicklung an den weltweiten Rohstoffmärkten wider (siehe Kasten) . Waren im Jahr 2000 noch etwa acht Milliarden Dollar in Derivate auf den Goldman Sachs Commodity Index investiert, so sind es inzwischen schon rund 20 Milliarden Dollar. „Erstmals beobachten wir, dass nicht nur institutionelle, sondern auch Privatanleger hier ihr Geld anlegen“, heißt es bei Goldman Sachs.

Eine Alternative zum GSCI ist der DJ-AIG-Rohstoff-Index. Während der GSCI ein deutliches Übergewicht im Energie-Sektor aufweist, richtet sich die Gewichtung des DJ-AIG-Rohstoff-Index ausschließlich nach der wirtschaftlichen Bedeutung des jeweiligen Rohstoffes für die Weltwirtschaft. Zu Beginn jedes Jahres prüft das Entscheidungskomitee der AIG Trading Group und von Dow Jones & Company die Gewichtung der Einzelwerte im Index. Grundregel dabei: Kein Bereich darf mehr als 33 Prozent, kein einzelner der gegenwärtig 20 Rohstoffe darf weniger als zwei Prozent am Index ausmachen.

Doch noch etwas sollten Anleger bei einer Investition in Rohstoffen – egal in welcher Form – bedenken. Rohstoffe werden fast ausschließlich in Dollar abgerechnet. Da können die Preise noch so steigen, wenn der Dollar gegenüber dem Euro fällt, fällt auch der Gewinn in heimischer Währung. Man kann sich aber auch gegen dieses Risiko absichern.

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