Wirtschaft : Wer macht das Geschäft mit dem Kabelnetz?

BERLIN (vis/uso/HB).Es brodelt heftig in der Gerüchteküche, doch bei den betroffenen Unternehmen heißt es gleichlautend: "Wir kommentieren diese Meldungen nicht." Sowohl die Deutsche Telekom als auch der amerikanische Softwaregigant Microsoft nehmen keine Stellung zu Berichten, wonach Microsoft-Chef Bill Gates es auf das TV-Kabelgeschäft der Telekom abgesehen habe oder sogar plane, direkt ins deutsche Kabelnetz zu investieren.Für den Einstieg bei der Telekom habe Microsoft rund eine Mrd.Dollar (1,8 Mrd.DM) reserviert.

Tatsächlich will die Telekom ihr Fernsehkabelnetz verkaufen oder regionale Anbieter daran beteiligen."Wir haben gerade die Roadshow beendet, auf der wir potentielle Investoren über Zahlen, Daten und Fakten des Kabelnetzes informiert haben", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek.Jetzt werde mit den Interessenten gesprochen.Wer zu diesem Kreis gehört, sagt die Telekom nicht.

Aber wenn es um Fernsehkabel geht, fällt immer öfter der Name Microsoft.Denn heute wird das TV-Kabelnetz zwar nur für die Übertragung von Fernsehprogrammen genutzt.Doch in Zukunft wird es weit mehr leisten können: Über das TV-Kabel kann der Nutzer mit hoher Geschwindigkeit im Internet surfen, große Datenmengen schnell übertragen, telefonieren oder einkaufen.Gates hofft, sein Windows CE, ein spezielles Betriebssystem für Kleingeräte, zu einem neuen Standard in Set-Top-Boxen zu entwickeln.Die Box ist eine Voraussetzung für viele neue Anwendungen des Kabelnetzes.

In Großbritannien ist Microsoft bereits an zwei der großen Kabelbetreiber beteiligt - mit dem größten, Cable & Wireless, verhandelt Gates derzeit.In den USA hat er sich an dem Telefonriesen AT & T beteiligt, der gerade große und kleine Kabelgesellschaften aufkauft.Auf dem europäischen Festland ist besonders der deutsche Markt interessant: 17,7 Mill.Haushalte sind hier an das Netz angeschlossen.

Was die Entwicklung bisher hemmt ist allerdings, daß das Kabel zur Zeit wie eine Einbahnstraße funktioniert.Die Daten gelangen zwar vom Anbieter zum Kunden aber es fehlt der notwendige Rückkanal, um auch die Informationen vom Kunden zurück zum Anbieter zu transportieren.Experten schätzen, daß es pro Teilnehmer circa 100 DM kosten wird, das Kabelnetz nachzurüsten.

Der TV-Kabelmarkt in Deutschland hat wegen seiner Unübersichtlichkeit bisher viele ausländische Investoren abgeschreckt.Die Telekom hat selbst nur Zugang zu rund 6,5 Mill.Haushalten.Der Rest wird von circa 6000 privaten Kabelgesellschaften bedient.Außerdem will die Telekom selbst als Vermarkter der Inhalte im Geschäft bleiben.Auch an diesem Geschäft soll Gates interessiert sein.

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