Wirtschaft : Wer mit wem

Die Hauptfiguren des Insolvenzverfahrens

David C. Lerch
Foto: dpa Foto: picture-alliance/ dpa
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DER EIGENTÜMER

Nicolas Berggruen Als sich niemand für Karstadt interessierte, kam plötzlich er: Nicolas Berggruen, reicher Investor und Kunsterbe. Er bot, was alle wollten: keinen Mitarbeiter entlassen, keine Filiale schließen. Stattdessen: Geld für Glamour. Im Juni bekam er den Zuschlag und ließ sich als Retter feiern, doch er unterschätzte die Vermieter. Drei Monate musste er um Mietsenkungen feilschen.

DER VERMIETER

Alexander Dibelius Der deutsche Chef der US-Bank Goldman Sachs führt mit der Deutschen Bank das Lager der Vermieter. Dibelius wollte Karstadt zunächst selbst übernehmen und war sich dabei sehr sicher. So sicher, dass er beim finalen Treffen im Juni gar nicht vor Ort war. Berggruens Erfolg und dessen Siegerposen sollen Dibelius kräftig geärgert haben. Entsprechend trotzig verhandelte er dann über den Mietpreis. Die letzten Details überließ er seinen Mitarbeitern: Am Donnerstag weilte Dibelius im Urlaub.

DER VERWALTER

Klaus Hubert Görg Eigentlich wollte er sich um seinen Garten kümmern, doch es kam anders. Statt in Rente zu gehen, übernahm Görg im Sommer 2009 den Arcandor-Konzern. Seit 15 Monaten residiert der 69-Jährige nun auf der Vorstandsetage in der Essener Karstadt-Zentrale, eine Millionengage ist ihm sicher. Gut möglich, dass er sich dennoch oft nach seinem Garten sehnte. Quelle musste er abwickeln, Karstadt geriet immer mehr zur Hängepartie. Görg verlor zunehmend die Geduld, aber er setzte auf Berggruen und behielt recht.

DER VERMITTLER

Thomas Heilmann Der CDU-Politiker und Unternehmer vermittelte im Auftrag der Bundesregierung in der heißen Phase des Karstadt-Pokers. Ursprünglich ging es um die Frage der Miethöhe zwischen Berggruen und Highstreet. In den letzten Wochen musste Heilmann zunehmend zwischen den Highstreet-Partnern schlichten. Geholfen haben ihm dabei alte Kontakte zu Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen und dem Anwalt der Essener Valovis Bank Hanns-Eberhard Schleyer.

DER WIDERSACHER

Eckhard Cordes Der Metro-Chef hatte mit Karstadt andere Pläne. Cordes sucht händeringend einen Käufer für die eigene Sparte Kaufhof. Mehrere ausländische Interessenten sollen abgewunken haben. Hätte man Kaufhof mit Karstadt-Perlen wie dem KaDeWe aufhübschen können, hätte das wohl anders ausgesehen. Deshalb arbeitete Cordes im Hintergrund an einer Zerschlagung von Karstadt. Im Sommer 2009 vermasselte er dem Konkurrenten das Betteln um Staatshilfe, zuletzt setzte er auf seine Seilschaft mit Dibelius. Beide fädelten einst die später rückgängig gemachte Fusion von Daimler und Chrysler ein.David C. Lerch

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