Wirtschaft : Wer Nokias Prognose glaubt, ist Optimist

Nokia wird gleich von zwei Seiten in die Zange genommen - im Geschäft mit den Handys und bei der Netztechnik. Bei den Mobiltelefonen sind die Finnen unangefochten Marktführer. Doch jedes Quartal muss das Unternehmen seine Schätzung, wieviele Handys nun weltweit verkauft werden können, reduzieren. Im vergangenen Jahr hatte die Branche für 2001 noch einen Absatz von mehr als 600 Millionen Geräten erwartet. Jetzt geht Nokia nur noch von 390 Millionen Stück aus. Das würde bedeuten, dass in diesem Jahr auf der Welt 18 Millionen Handys weniger verkauft werden als im Vorjahr. Dabei verliert Nokia Marktanteile gegenüber dem US-Konkurrenten Motorola.

Die Märkte sind gesättigt - das gilt besonders für Europa - und bei der lahmenden Konjunktur verzichten viele Kunden darauf, ein neues Handy zu kaufen. Einige werden mit der Neuanschaffung vielleicht auch warten, bis die neuen Netze für den Multimedia-Mobilfunk UMTS starten. Die neue Technik könnte einen neuen Absatzschub bringen. Doch das wird dauern, selbst wenn UMTS entgegen aller Unkenrufe tatsächlich ein Renner werden sollte. In den Markt wird Nokia - wie es die Finnen bisher immer getan haben - erst einsteigen, wenn er ein Massengeschäft geworden ist. Und das wird nicht vor 2005 der Fall sein.

Auch im Geschäft mit der Netztechnik steckt Nokia in der Klemme: Kunden sind die hochverschuldeten Telekommunikationsfirmen. Die wollen die Preise drücken und bauen Netze gemeinsam auf, um weniger investieren zu müssen. Für 2002 hofft Nokia auf eine Belebung des Geschäfts. Doch wer das glauben will, braucht viel Optimismus. Viel Optimismus steckt auch in der Aktie: Sie ist immer noch mit dem 30-fachen des Gewinns im kommenden Jahr bewertet.

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