Wirtschaft : Wer versteht Oracle-Chef Larry Ellison?

Der Sinn einer feindlichen Übernahme des Software-Konzerns Peoplesoft wird bezweifelt. Doch es gibt andere Erklärungen

Kurt Sagatz

Berlin. Von einem „substanzlosen Marketing- Schachzug“ redet seit Mittwoch selbst Peoplesoft-Chef Craig Conway nicht mehr. Um mehr als eine Milliarde US-Dollar versüßte Oracle-Frontmann Larry Ellison sein Angebot für die feindliche Übernahme von Peoplesoft. Insgesamt 6,3 Milliarden Dollar verspricht der streitbare Firmenchef nun den Aktionären des Konkurrenzunternehmens, wenn sie auf sein Angebot eingehen.

Die Wellen schlagen hoch in dem jüngsten Übernahmepoker in der US-Softwarebranche: In ganzseitigen Zeitungsanzeigen werben Ellison und Conway für ihre Positionen. „Bargeld von Oracle oder eine unsichere Zukunft mit dem derzeitigen Management?“ fragt darin Larry Ellison die Peoplesoft-Aktionäre. „Ein reiner Vernichtungsfeldzug“ kontert Conway ebenfalls ganzseitig.

Den Anlass für das feindliche Übernahmeangebot hatte Peoplesoft selbst geliefert, als es vor etwas mehr als einer Woche ankündigte, mit dem Konkurrenten J.D. Edwards fusionieren zu wollen. Die Nummer drei und vier im Markt für Unternehmenssoftware würden damit Oracle von seiner Position als zweitgrößten Anbieter in diesem Markt hinter SAP verdrängen. So etwas ist für einen Mann wie Larry Ellison schwer zu ertragen, zumal er bereits im Datenbank-Segment die Spitzenposition an IBM verloren hat.

Craig Conway, selbst ein ehemaliger Oracle-Manager, lehnt die Übernahme kategorisch ab. Er hält an der Fusion mit J.D. Edwards fest. Am Donnerstag bot Peoplesoft den J.D. Edwards-Aktionären 1,75 Milliarden Dollar. Unterstützung erhält Conway möglicherweise von den US-Kartellwächtern. Der Bundesstaat Connecticut hat ein Verfahren gegen Oracle eingeleitet, weil die Übernahme von Peoplesoft gegen Wettbewerbsrecht verstoßen könnte. In der Branche wird Ellisons Vorstoß mit Skepsis betrachtet. Zu ähnlich seien die Produktpaletten von Oracle und Peoplesoft, um sich zu ergänzen. Nicht nur Conway vermutet, dass Ellisons Ziel nur darin bestehen kann, den Konkurrenten vom Markt zu verdrängen. Man könne zwar das Unternehmen kaufen, aber nicht dessen Kunden, heißt es. Möglicherweise stehen hinter Oracles Plänen jedoch ganz andere Motive. Zu viele Rückschläge könnten dazu geführt haben, dass der Kämpfer Ellison nun Stärke zeigen wolle, wird vermutet.

Andererseits sind gerade in dem zersplitterten Markt für Unternehmenssoftware und E-Business-Produkte Übernahmen programmiert. Die drei größten der Branche (SAP, Oracle und Peoplesoft) kommen zusammen gerade mal auf 28 Prozent Marktanteil, der Rest verteilt sich über viele kleine und kleinste Unternehmen, die zum Teil nur regional operieren. Da zudem SAP allein auf einen Marktanteil von 18 Prozent kommt, kann Ellison die Nummer eins nicht einmal durch die Peoplesoft-Übernahme einholen.

Die Konkurrenz betrachtet die Auseinandersetzung mit Gelassenheit. SAP-Chef Henning Kagermann bezeichnete Ellisons Pläne als „Zirkusshow“. Man selbst habe nicht vor, Marktanteile durch Zukäufe zu erhöhen, empfehle aber allen verunsicherten Kunden von Oracle und Peoplesoft, künftig auf SAP-Produkte zu setzen. Die Strategie scheint aufzugehen. Rund 25 Kunden der Konkurrenz haben bereits ihr Interesse an SAP-Produkten bekundet. Auch bei SAP wird nun mit härteren Bandagen gekämpft. Die noch von Hasso Plattner propagierte friedliche Koexistenz von SAP-Software mit anderen Lösungen ist Vergangenheit. Den Besuchern der US-Kundenmesse „Sapphire“ empfiehlt Kagermann dieser Tage, ausschließlich die eigene SAP Business Suite einzusetzen.

Aus dem „Kampfgetümmel von Peoplesoft und Oracle“ will sich auch Microsoft in Redmond heraushalten. Microsoft-Chef Steve Ballmer verweist darauf, dass man anders als Oracle und Peoplesoft vor allem Lösungen für Mittelständler herstelle. Kleinere Akquisitionen schließt aber auch er nicht aus. Vor zwei Jahren hatten die Redmonder die Unternehmen Navision und Great Plains gekauft, friedlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar